Die durch die Hölle gehen

Wenige Filme haben das kollektive Bildgedächtnis des amerikanischen Kinos so nachhaltig geprägt wie Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen„. Drei Stunden dauert dieses Epos über eine Gruppe Stahlarbeiter aus Pennsylvania, die in den Vietnamkrieg ziehen. Cimino selbst wollte keinen Vietnamfilm drehen. Er drehte einen Film über sein Land. Genau darin liegt die Wucht dieses Werks.

Die durch die Hölle gehen
Dauer: 182 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 1978
Kategorien: Thriller
Regie: Michael Cimino
Produzenten: Michael Cimino, Michael Deeley, John Peverall, Barry Spikings
Hauptdarsteller: Robert De Niro, Christopher Walken, John Cazale
Nebendarsteller: John Savage, Meryl Streep, George Dzundza, Rutanya Alda
Studio: Universal Pictures, EMI Films

Der Regisseur verlegt den Schauplatz des Grauens nicht an die Front, sondern in die Küchen, Kirchen und Hinterzimmer einer vermeintlich heilen Welt. Was als patriotisches Ritual beginnt, endet als Trauerarbeit. Die berühmte Russisch-Roulette-Sequenz hat Filmgeschichte geschrieben und heftige Kritik provoziert. Sie ist weder Dokument noch Anklage. Sie ist Metapher. Wie also verhandelt dieser Film das Unbeschreibliche, ohne es zu banalisieren?

Besetzung, Regie und Drehorte

Michael Cimino führte 1978 Regie bei diesem US-amerikanischen Spielfilm und schrieb gemeinsam mit Deric Washburn auch das Drehbuch. Produziert wurde das Werk von Cimino, Michael Deeley, John Peverall und Barry Spikings. Die Kamera führte Vilmos Zsigmond, den Schnitt übernahm Peter Zinner. Die Musik komponierte der Brite Stanley Myers. Sein Hauptthema Cavatina gilt inzwischen als eigenständiges Stück Filmmusikgeschichte und wurde mit dem Ivor Novello Award ausgezeichnet.

In den Hauptrollen von „Die durch die Hölle gehen“ sind Robert De Niro als Michael Vronsky, Christopher Walken als Nick Chevotarevich und John Savage als Steven Pushkov zu sehen. Meryl Streep spielt Linda. John Cazale verkörpert Stanley, George Dzundza den Barmann John Wels. Chuck Aspegren tritt als Peter Axelrod auf, Rutanya Alda als Angela Pushkov. Die deutsche Synchronfassung entstand unter der Leitung von Niels Clausnitzer.

Das Werk hat eine Laufzeit von 182 Minuten und ist ab 16 Jahren freigegeben. Bei der Oscarverleihung 1979 gewann der Film fünf Trophäen, darunter Bester Film und Beste Regie. Gedreht wurde unter anderem in Clairton, McKeesport und Steubenville. Die Vietnam-Szenen entstanden in Thailand. 1996 nahm die Library of Congress das Werk in das National Film Registry auf.

Handlung & Inhalt vom Film „Die durch die Hölle gehen“

Clairton, Pennsylvania, im Jahr 1968: Hier führen drei russischstämmige Stahlarbeiter ein unaufgeregtes Leben zwischen Schicht, Kneipe und Waldrand. Michael, Nick und Steven sind bereits seit ihrer Kindheit miteinander befreundet, doch nun haben sie sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Bevor sie jedoch nach Vietnam aufbrechen, feiert die russisch-orthodoxe Gemeinde zunächst die Hochzeit von Steven und Angela. Während der Feier blickt Michael immer wieder zu Linda hinüber, obwohl sie die Verlobte seines besten Freundes Nick ist. Am Morgen nach dem Fest gehen die Männer schließlich ein letztes Mal gemeinsam auf Hirschjagd, während der Wald noch friedlich schweigt.

Der Schnitt nach Vietnam setzt anschließend ohne jede Vorwarnung ein. Dort verteidigen Michael, Nick und Steven ein Dorf gegen Vietcong-Einheiten, doch sie scheitern bei ihrem Einsatz. Daraufhin geraten sie in Gefangenschaft und werden in Bambuskäfige im Fluss gesperrt, wobei ihnen das Wasser bis zum Kinn steht. Außerdem zwingen ihre Bewacher die Männer zu einer grausamen Art von Spiel: Paarweise müssen sie gegeneinander Russisch Roulette spielen, während die Wärter gleichzeitig Wetten auf den Ausgang abschließen. Michael findet jedoch einen ebenso waghalsigen wie gefährlichen Ausweg. Mithilfe eines geladenen Revolvers überwältigt er die Aufseher, sodass den Gefangenen schließlich die Flucht gelingt. Doch obwohl sie entkommen können, reißt das Erlebte die drei Freunde auseinander.

Der lange Schatten der Heimkehr

Während nur Nick mit einem Hubschrauber gerettet wird, schleppt Michael den schwer verletzten Steven durch den Dschungel und rettet ihm dadurch das Leben. Dennoch verliert Steven infolge seiner schweren Verwundungen beide Beine, während Nick im Chaos Saigons spurlos verschwindet. Als Michael nach Pennsylvania zurückkehrt, findet er ein Zuhause vor, das nicht mehr seines zu sein scheint. Denn die alten Gewohnheiten wirken inzwischen lediglich wie Requisiten aus einem früheren Leben. Auf einem neuen Jagdausflug zielt er zwar auf einen Hirsch, schießt dann aber ganz bewusst daneben. Zugleich nähert er sich langsam Linda an, obwohl diese weiterhin auf eine Nachricht von Nick wartet.

Durch Angela erfährt Michael schließlich, wo Steven untergekommen ist. Die junge Frau hat seit dem Krieg ihre Sprache verloren, weshalb sie nur noch eine Telefonnummer auf einen Zettel kritzelt. Als Michael das Sanatorium besucht, trifft er dort auf einen gebrochenen Mann. Steven berichtet ihm, dass er regelmäßig Geldumschläge zugeschickt bekommt. Wie sich herausstellt, ist der Absender Nick, der in Saigon geblieben und inzwischen desertiert ist. Deshalb entschließt sich Michael dazu, erneut zurückzukehren, denn er muss seinen Freund unbedingt nach Hause holen. Währenddessen steht die Stadt bereits kurz vor ihrem Fall.

In einem mafiösen Hinterhofcasino findet Michael seinen Freund schließlich wieder. Nick tritt dort inzwischen als Berufsspieler an, wobei er vom Heroin gezeichnet ist und einen völlig leeren Blick zeigt. Allerdings erkennt er Michael zunächst nicht. Aus purer Verzweiflung setzt Michael sich deshalb selbst an den Tisch und spielt eine Runde Russisch Roulette mit ihm. In genau dem Moment, in dem Nick seinen Freund endlich wiedererkennt, drückt er jedoch ab und trifft sich selbst. Daraufhin kehrt nur noch seine Leiche nach Clairton zurück. Nachdem die Beerdigung vorüber ist, sitzen die Übriggebliebenen schließlich gemeinsam in ihrer Stammkneipe und singen leise „God Bless America“.

Filmkritik und Fazit zum Film „Die durch die Hölle gehen“

Michael Cimino inszeniert „Die durch die Hölle gehen“ in drei bewusst ungleich gewichteten Bewegungen, die sich erst im Rückblick zu einer Partitur fügen. Der erste Akt nimmt sich ungewöhnlich viel Zeit. Diese Geduld wirkt zunächst befremdlich, erweist sich aber als dramaturgisches Fundament. Vilmos Zsigmonds Kamera beobachtet ohne Urteil. Sie ruht auf Gesichtern, durchmisst Stahlhütten, fängt das Licht einer orthodoxen Kirche ein. Stanley Myers‘ Cavatina kehrt als leise Klage wieder, nie pathetisch, nie aufdringlich. Ihre Sparsamkeit verleiht dem Schmerz seine Form.

Die Russisch-Roulette-Sequenz ist das Herzstück und zugleich die Sollbruchstelle. Historisch ist sie nicht belegt, moralisch lässt sich über die Darstellung des Vietcong als gesichtsloser Folterkollektiv streiten. Die sowjetische Delegation reiste 1979 empört von der Berlinale ab. Dieser Einwand hat Gewicht. Als Metapher für die Zufälligkeit des Sterbens im Krieg aber entfaltet die Szene eine Präzision, die kaum ein anderes Bild dieses Genres erreicht. Der Kontrast zwischen Hirschjagd und Revolverspiel wird zur stillen Achse des Films. Tempo und Inszenierung folgen konsequent einer Logik der Entrückung.

Cimino gelingt kein makelloser Film, wohl aber ein notwendiger. Für Freunde des Antikriegskinos und der großen amerikanischen Erzählungen der siebziger Jahre lohnt sich die Begegnung mit diesem Werk ohne Einschränkung. De Niro, Walken und Streep spielen auf einem Niveau, das bis heute Maßstäbe setzt. Wer bereit ist, sich drei Stunden lang Zeit zu nehmen, wird mit einem Film belohnt, der nicht über Vietnam spricht, sondern über das, was danach bleibt.

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