Der Exorzist

Ein Film, der seinerzeit Ohnmachtsanfälle im Kinosaal provozierte, muss mehr sein als bloßer Horror. „Der Exorzist“ von William Friedkin gehört zu jenen Werken, die sich einer schlichten Genrezuordnung entziehen. Der Film verhandelt Glaubenskrise, rationale Ohnmacht und das Eindringen des Unerklärlichen in eine durchgeplante Welt. Dabei verweigert er jede tröstliche Distanz. Sein Schrecken entsteht nicht aus Effekten, sondern aus der kalten Logik seiner Inszenierung.

Der Exorzist
Dauer: 122 Min.
FSK: 18 (DE)
Jahr: 1973
Kategorien: Horror, Mystery
Regie: William Friedkin
Produzenten: William Peter Blatty
Hauptdarsteller: Ellen Burstyn, Linda Blair, Jason Miller
Nebendarsteller: Max von Sydow, Lee J. Cobb, William O'Malley, Kitty Winn
Studio: Hoya Productions, Warner Bros. Pictures

Friedkin erzählt mit dokumentarischer Strenge und verweigert jede mystifizierende Überhöhung. Die Dämonie wächst aus einem Alltag heraus, der zunächst erschreckend gewöhnlich wirkt. Zwischen Röntgenbildern, Polizeiverhören und priesterlichen Zweifeln entfaltet sich ein Panorama institutioneller Hilflosigkeit. Weder Medizin noch Kirche finden Antworten, die greifen. Erst die Teufelsaustreibung bricht den Stillstand auf. Bleibt am Ende die Frage, ob der Triumph des Glaubens wirklich ein Sieg ist oder nur eine Verschiebung des Unheils?

Besetzung, Regie und Drehorte

Der Exorzist“ ist ein US-amerikanischer Horrorfilm aus dem Jahr 1973. Regie führte William Friedkin, das Drehbuch stammt von William Peter Blatty, der auch seinen gleichnamigen Roman als Vorlage beisteuerte. Die Produktion übernahmen Blatty und Noel Marshall. Für die Kamera zeichneten Owen Roizman und Billy Williams verantwortlich. Der Schnitt lag in den Händen von Norman Gay, Jordan Leondopoulos, Evan A. Lottman und Bud S. Smith. Die musikalische Gestaltung kombiniert Kompositionen von Jack Nitzsche, Mike Oldfield, Krzysztof Penderecki und Anton Webern.

In der Rolle der besessenen Regan MacNeil ist Linda Blair zu sehen. Ellen Burstyn spielt ihre Mutter Chris, die verzweifelt nach Antworten sucht. Jason Miller verkörpert Pater Damien Karras, Max von Sydow den erfahrenen Exorzisten Pater Lankester Merrin. Lee J. Cobb tritt als Lieutenant Kinderman auf. Die dämonische Stimme lieh Mercedes McCambridge der Figur, während Eileen Dietz körperliche Szenen übernahm. Gedreht wurde vor allem in Georgetown, einem Stadtbezirk von Washington, D.C.

Die Kinofassung dauert 122 Minuten, der Director’s Cut von 2001 umfasst 132 Minuten. Die FSK gab den Film ab 16 Jahren frei. Bei der Oscarverleihung 1974 gewann das Werk die Trophäen für das Beste Drehbuch und den Besten Ton, hinzu kamen acht weitere Nominierungen. Vier Golden Globes rundeten den Triumph ab. 2010 wurde der Film ins National Film Registry aufgenommen.

Handlung & Inhalt vom Film „Der Exorzist“

Der Jesuit Lankester Merrin leitet eine archäologische Ausgrabung im antiken Hatra und entdeckt den Kopf einer Pazuzu-Figur. Während eines Gesprächs im Museum bleibt plötzlich das Pendel einer Uhr stehen. Beunruhigt kehrt Merrin nach Georgetown zurück. Parallel dazu lebt die Schauspielerin Chris MacNeil mit ihrer zwölfjährigen Tochter Regan in einer Stadtvilla. Sie dreht gerade einen Film in Washington. Ein drittes Schicksal tritt hinzu: Pater Damien Karras, psychiatrischer Berater der Georgetown University, verliert seine Mutter und zerbricht am eigenen Glauben. Drei Biografien, drei Krisen – scheinbar ohne Verbindung.

Im Haus der MacNeils mehren sich seltsame Vorfälle. Chris hört Geräusche vom Dachboden und vermutet Ratten, doch die Fallen bleiben leer. Regan beginnt, unflätig zu sprechen und aggressiv zu reagieren. Eine ärztliche Untersuchung bleibt ergebnislos. Dr. Klein verschreibt Ritalin, doch die Symptome verschlimmern sich. Während einer Abendgesellschaft erscheint Regan im Nachthemd, uriniert auf den Teppich und prophezeit einem Astronauten den Tod. Röntgenaufnahmen zeigen nichts, Psychiater stehen ratlos da. Die Medizin stößt an ihre Grenzen.

Konfrontation mit dem Unerklärlichen

Als Chris eines Abends nach Hause kommt, findet sie den Regisseur Burke Dennings nicht vor, obwohl er auf Regan aufpassen sollte. Kurz darauf wird seine Leiche am Fuß der Steintreppe unterhalb von Regans Zimmer entdeckt – mit um 180 Grad verdrehtem Kopf. Lieutenant Kinderman nimmt Ermittlungen auf und verdächtigt niemanden konkret. Chris beobachtet mit eigenen Augen, wie Regans Bett von unsichtbaren Kräften geschüttelt wird. Weitere Ärzte werden hinzugezogen, ohne Ergebnis. Schließlich schlägt ein Mediziner Exorzismus vor – nicht aus Überzeugung, sondern als suggestive Methode.

In ihrer Verzweiflung wendet sich Chris schließlich an Pater Karras. Der Jesuit zögert jedoch zunächst und verweist dabei auf die Seltenheit des Rituals. Nach mehreren Besuchen bei der verunstalteten und auf dem Bett festgebundenen Regan kommt er schließlich zu dem Schluss, dass eine dämonische Besessenheit vorliegt. Daraufhin genehmigt Bischof Michael die Teufelsaustreibung, allerdings unter der Bedingung, dass Pater Merrin das Ritual leitet. Während Karras dem erfahrenen Exorzisten assistiert, bereiten sich beide auf die bevorstehende Auseinandersetzung vor. Schließlich betreten die beiden Priester Regans Zimmer und beginnen dort mit dem Kampf gegen Pazuzu.

Nach einer kurzen Unterbrechung kehrt Karras zurück und findet den alten Merrin schließlich tot vor dem Bett. Daraufhin übermannen ihn Wut und Schmerz. Mit den Worten „Nimm mich!“ fordert er deshalb den Dämon heraus, der daraufhin in seinen Körper übergeht. Karras verliert jedoch nicht die Kontrolle über sein letztes Handeln und stürzt sich durch das Fenster auf die Steintreppe hinunter. In der Stunde seines Todes nimmt Pater Dyer ihm schließlich die Beichte ab und erteilt ihm anschließend die Absolution. Währenddessen erwacht Regan befreit und erinnert sich an nichts. Kurz darauf verlassen Chris und ihre Tochter Georgetown. Der Schrecken ist damit zwar ausgetrieben, dennoch bleibt er als Erinnerung zurück.

Filmkritik und Fazit zum Film „Der Exorzist“

Der Exorzist“ verdankt seine Wirkung der konsequenten Verweigerung jedes Genre-Klischees. Friedkin inszeniert das Übernatürliche mit der Nüchternheit eines Dokumentarfilms. Die Kamera von Roizman und Williams bleibt distanziert, fast klinisch, und verstärkt dadurch die Unheimlichkeit. Jason Miller zeichnet einen Priester voller Risse und Selbstzweifel, Max von Sydow gibt dem erfahrenen Exorzisten eine müde Würde. Linda Blairs körperliche Präsenz im Zusammenspiel mit der Stimme von Mercedes McCambridge erzeugt eine verstörende Doppelung. Das Drehbuch Blattys arbeitet geduldig, bevor es zum Ausbruch kommt.

Die Tonebene trägt den Film ebenso wie seine Bilder. Das Sounddesign, ausgezeichnet mit dem Oscar, schichtet Atemgeräusche, Unterton und Stille zu einer Dichte, die physisch spürbar wird. Oldfields „Tubular Bells“ ist längst zum Kulturzitat geworden, doch seine eigentliche Kraft liegt im sparsamen Einsatz. Der Rhythmus des Films baut sich aus Alltagsbeobachtungen auf, zunächst harmlos, dann verstörend. Eine frühe Szene im Krankenhaus, in der Regan invasive Untersuchungen erleiden muss, erzeugt bereits Unbehagen. Die eigentlichen Schockmomente wirken gerade deshalb umso härter, weil sie aus dieser Normalität herausbrechen.

Für Freunde des Horrorfilms bleibt Friedkins Werk eine Referenz, die sich nicht verbraucht hat. Wer theologische Tiefe sucht, findet sie ebenso wie jener, der an medizinischem Körperhorror interessiert ist. Der Film fordert Geduld, belohnt sie aber mit einer Intensität, die wenige Werke des Genres erreichen. Manche Dialoge zeigen ihr Alter, das Ritual-Finale wirkt länger als nötig. Dennoch behauptet sich der Film als dunkles Denkstück über Glauben und Verdrängung.

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