Polar
Der Auftragskiller als Auslaufmodell – das ist ein Bild, das das Kino längst kennt und liebt. „Polar“ aus dem Jahr 2019 greift dieses Motiv auf und drückt es in die grellsten Farben, die eine Netflix-Produktion zu bieten hat. Jonas Åkerlund, der schwedische Regisseur, der sich mit Musikvideos für The Prodigy und Madonna einen Namen gemacht hat, bringt seinen exzessiven Stil auf die Leinwand.

| Dauer: | 118 Min. |
|---|---|
| FSK: | 18 (DE) |
| Jahr: | 2019 |
| Kategorien: | Krimi |
| Regie: | Jonas Åkerlund |
| Produzenten: | Mike Richardson, Robert Kulzer, Keith Goldberg, Jeremy Bolt, Hartley Gorenstein |
| Hauptdarsteller: | Mads Mikkelsen, Vanessa Hudgens, Katheryn Winnick |
| Nebendarsteller: | Inga Cadranel, Fei Ren, Ruby O. Fee, Matt Lucas |
| Studio: | Dark Horse Entertainment, Constantin Film, JB Pictures |
Ein alternder Killer, eine mysteriöse Nachbarin, ein skrupelloser Arbeitgeber – das klingt nach einem Baukasten des Genres. Was Åkerlund daraus macht, ist weder eindeutig Hommage noch eindeutig Parodie, sondern ein eigentümliches Etwas dazwischen. Ob dieser Zwischenraum als filmischer Gewinn oder als konzeptionelle Schwäche zu verstehen ist, entscheidet sich im Auge des Betrachters.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Polar“ ist eine US-amerikanisch-deutsche Koproduktion aus dem Jahr 2019. Regie führte Jonas Åkerlund, das Drehbuch stammt von Jayson Rothwell. Die Grundlage bildet die gleichnamige Graphic Novel des spanischen Zeichners Víctor Santos, ursprünglich erschienen 2013 unter dem Titel „Polar: Came From the Cold“. Produziert wurde der Film von Jeremy Bolt, Keith Goldberg, Hartley Gorenstein, Robert Kulzer und Mike Richardson, mit Kameraarbeit von Pär M. Ekberg und Schnitt von Doobie White.
Die Hauptrolle des Duncan Vizla, auch bekannt als „Black Kaiser“, übernimmt Mads Mikkelsen. An seiner Seite spielt Vanessa Hudgens die zurückgezogene Nachbarin Camille, Katheryn Winnick die Damokles-Verbindungsfrau Vivian. Matt Lucas verkörpert den Schurken Mr. Blut. Weitere Rollen bekleiden Ruby O. Fee, Fei Ren, Johnny Knoxville und Richard Dreyfuss. Den Soundtrack produzierte der kanadische Elektronikmusiker Deadmau5.
Der Film wurde ab Februar 2018 in Kanada gedreht, vorwiegend in Toronto und Orono, Ontario. Für die Eröffnungsszene wurde das Privathaus von Deadmau5 als Kulisse genutzt. „Polar“ wurde am 25. Januar 2019 weltweit auf Netflix veröffentlicht. Die Laufzeit beträgt 118 Minuten, die Altersfreigabe liegt bei ab 18 Jahren. Fei Ren war 2020 für den Leo Award als beste Nebendarstellerin nominiert.
Handlung & Inhalt vom Film „Polar“
Duncan Vizla arbeitet seit Jahrzehnten als Auftragskiller für die Organisation Damokles. Dabei hat er sich den Ruf einer Legende erarbeitet, weshalb man ihn den Black Kaiser nennt. Als sein fünfzigster Geburtstag näher rückt, bereitet er sich auf seinen verpflichtenden Ruhestand vor und damit auf eine Auszahlung von über acht Millionen Dollar. Deshalb zieht er sich in ein abgelegenes Städtchen in Montana zurück, um die letzten Wochen in Ruhe zu verbringen. Dort kauft er ein, lädt sein Gewehr durch und beobachtet die zugefrorenen Seen. Zunächst genießt er diese Einsamkeit sogar.
Doch schon bald zeigt sich, dass diese Ruhe trügerisch ist. Denn Mr. Blut, der Inhaber von Damokles, plant den Verkauf seiner Organisation. Aus diesem Grund will er die Bilanz bereinigen und beschließt, alle ehemaligen Agenten töten zu lassen, um deren Rentenzahlungen einzusparen. Folglich wird auch Duncan zum Ziel. Zuerst arrangiert die Organisation einen letzten Auftrag, der sich jedoch als Falle entpuppt. Nachdem dieser scheitert, schickt Blut ein Killteam nach Montana. Währenddessen lernt Duncan seine Nachbarin Camille kennen, die offensichtlich selbst von etwas verfolgt wird, wodurch zwischen ihnen langsam Vertrauen entsteht.
Falle, Folter und ein letzter Ausweg
Als das Team Duncan schließlich aufspürt, nutzen sie verschiedene Methoden, um ihn zu ködern, unter anderem eine Frau namens Sindy. Zwar scheitert ihr Plan an Duncans Erfahrung, jedoch entführen sie Camille, um Druck auszuüben. Daraufhin bittet Duncan seinen alten Bekannten Porter um Hilfe, doch dieser verrät ihn und setzt ihn außer Gefecht. Anschließend wacht Duncan gefesselt im Keller von Blut auf, wo er drei Tage lang gefoltert wird. Schließlich verliert Blut die Kontrolle und verletzt ihn schwer, indem er ihm das linke Auge aussticht.
Nach dieser Tortur gelingt Duncan dennoch die Flucht. Er befreit sich mit einem abgebrochenen Messerblatt, kämpft sich aus dem Anwesen und sucht sofort Hilfe bei Jazmin, die seine Wunden versorgt und ihn neu ausstattet. Danach bietet Duncan Vivian telefonisch einen Tausch gegen Camille an, doch auch dieser Plan führt in eine Falle. Allerdings überlebt er dank vorbereiteter Fernsteuerungswaffen und eliminiert das gesamte Einsatzteam.
Duncan kehrt zu Bluts Anwesen zurück. Die verbliebenen Wächter fliehen. Blut selbst wartet auf ihn und endet enthauptet. Camille wird befreit, nach Montana zurückgebracht und gepflegt. Doch dann findet Duncan in ihrer Hütte Zeitungsausschnitte über ein Massaker an einer Familie – einen Auftrag, den er selbst vor Jahren ausgeführt hatte, mit falschen Informationen als Grundlage. Das einzige Überlebende war ein kleines Mädchen: Camille. Sie hat ihn über die anonymen Geldüberweisungen gefunden, mit denen Duncan seit Jahren seine Schuld zu lindern suchte. Als sie ihn mit der Waffe bedroht, bittet er sie, abzudrücken. Sie tut es nicht. Stattdessen fragt sie, ob er ihr helfen kann, den Auftraggeber des damaligen Attentats zu finden.
Filmkritik und Fazit zum Film „Polar“
„Polar“ ist ein Film mit gespaltener Persönlichkeit, und das in einem Ausmaß, das kaum zufällig wirkt. Åkerlund, jahrelang geübt darin, in drei Minuten Clips maximale Reizintensität zu erzeugen, überträgt diesen Impuls auf Spielfilmlänge – mit ungleichmäßigem Ergebnis. Mads Mikkelsen spielt Duncan Vizla mit einer zurückgenommenen Schwere, die an Figuren aus europäischen Arthousekrimis erinnert. Er trägt den Film in den Momenten, in denen der Film ihn lässt. Drumherum tobt ein Comic-Exzess, der aus einer anderen ästhetischen Welt zu stammen scheint: grelle Farben, überzeichnete Gewalt, eine Killertruppe, deren Auftritte mehr an Videoclip-Choreografie als an klassische Actioninszenierung erinnern.
Die Kameraarbeit von Pär M. Ekberg wechselt zwischen ruhiger Totale in den Montanaszenen und nervösem Schnittgewitter in den Kampfpassagen. Dieser Kontrast funktioniert als Stilmittel, aber er funktioniert ungleichmäßig. Matt Lucas als Mr. Blut liefert eine exaltierte Performance, die jeden Raum dominiert, den sie betritt. Der Deadmau5-Soundtrack unterstreicht die elektronisch durchwirkte Atmosphäre, ohne je aufdringlich zu werden. Dem Drehbuch fehlt hingegen der Mut zur eigenen Handschrift: Es variiert bekannte Motive aus dem Killer-Genre, ohne sie neu zu deuten, und verliert dabei gelegentlich den erzählerischen Faden.
„Polar“ ist ein Film für ein geduldiges, stilsicheres Publikum, das bereit ist, Widersprüche auszuhalten. Wer einen stringenten Action-Thriller erwartet, wird sich an den Brüchen reiben. Wer Mads Mikkelsen dabei zusehen möchte, wie er mit minimalen Mitteln maximale Präsenz entfaltet, findet dafür ausreichend Gelegenheit. Der Film lohnt sich als ungewöhnliches Genrestück – nicht trotz, sondern wegen seiner inneren Zerrissenheit.