Ich – Einfach unverbesserlich
Was wäre, wenn der größte Schurke der Welt ausgerechnet am Abend des entscheidenden Verbrechens zu einem Ballettauftritt muss? „Ich – Einfach unverbesserlich“ stellt genau diese Frage – und beantwortet sie mit verblüffender emotionaler Klugheit. Der Animationsfilm von Pierre Coffin und Chris Renaud, erschienen 2010, markiert den Einstand von Illumination Entertainment: frisch, überdreht, mit einem Herz unter der Schurkenrüstung.

| Dauer: | 95 Min. |
|---|---|
| FSK: | PG (US) |
| Jahr: | 2010 |
| Kategorien: | Animation |
| Regie: | Chris Renaud, Pierre Coffin |
| Produzenten: | John Cohen, Janet Healy, Chris Meledandri |
| Hauptdarsteller: | Steve Carell, Jason Segel, Miranda Cosgrove |
| Nebendarsteller: | Dana Gaier, Elsie Fisher, Russell Brand, Julie Andrews |
| Studio: | Illumination, Universal Pictures |
Das Kino der Computeranimation ist seit Jahren ein hart umkämpftes Feld. Pixar, DreamWorks, Sony – sie alle haben ihre Ästhetiken, ihre Markensignale, ihre treuen Publika. Welchen Platz kann da ein neues Studio beanspruchen, das mit einem Superschurken antritt, der Ballons zum Platzen bringt und Kinder adoptiert? Kann ein Schurke überhaupt ein Held sein – und was verrät das über unser Bedürfnis nach moralisch unberechenbaren Figuren?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Ich – Einfach unverbesserlich“ ist ein US-amerikanischer CGI-Animationsfilm, produziert von Chris Meledandri unter dem Banner von Illumination Entertainment in Zusammenarbeit mit Universal Pictures. Regie führten Pierre Coffin und Chris Renaud, das Drehbuch stammt von Ken Daurio und Sergio Pablos. Die Computeranimation verantwortete das Pariser Studio Mac Guff mit einem vergleichsweise kleinen Team von rund hundert Animatoren. Die Musik komponierten Heitor Pereira und Pharrell Williams, der auch eigene Songs zum Film beisteuerte.
Im englischen Original sprechen Steve Carell als Gru und Jason Segel als sein Rivale Vector; weitere Stimmen liefern Russell Brand, Kristen Wiig, Miranda Cosgrove, Will Arnett, Jack McBrayer und Julie Andrews. In der deutschen Fassung leiht Oliver Rohrbeck dem Protagonisten eine markante, akzentuierte Stimme. Die drei Waisenmädchen Margo, Edith und Agnes werden von Miranda Cosgrove, Dana Gaier und Elsie Fisher gesprochen – wobei Agnes zur eigentlichen Szenenräuberin des Films avanciert.
Der Film läuft 95 Minuten und trägt die Altersfreigabe FSK 0. Er wurde am 9. Juli 2010 in den USA veröffentlicht und kam am 30. September 2010 in die deutschen Kinos. Beim Annecy International Animated Film Festival feierte er seine Weltpremiere. Nominiert für den Golden Globe, den BAFTA Award und den Annie Award als bester Animationsfilm. Er gewann 2011 den Kids‘ Choice Award als beliebtester Animationsfilm.
Handlung & Inhalt vom Film „Ich – Einfach unverbesserlich“
Gru lebt in einer gepflegten Vorstadtidylle – sein schwarzes Haus mit verödeter Rasenfläche sticht zwischen pastellfarbenen Nachbargebäuden hervor. Unter der Erde verbirgt sich sein wahres Reich: eine weit verzweigte Geheimfestung, bevölkert von einer Armee kleiner gelber Wesen in Latzhosen, den Minions. Grus Lebensplan ist klar definiert: Er will der größte Superschurke der Welt sein und damit endlich den Stolz seiner kühlen Mutter verdienen. Sein nächstes Projekt ist der Diebstahl des Mondes – mithilfe eines Schrumpfstrahlers.
Sein Plan gerät ins Wanken, als der junge Rivale Vector durch den Diebstahl der Cheops-Pyramide den Rang des Superschurken Nummer eins übernimmt. Grus Antrag bei der Bank des Bösen – ehemals bekannt als Lehman Brothers – wird abgelehnt: Bankdirektor Perkins, der Vater Vectors, bevorzugt jüngere Talente. Gru ist auf sich gestellt. Zufällig beobachtet er, dass Vector drei Waisenmädchen in seine Festung lässt, um ihnen Kekse abzukaufen. Gru wittert eine Chance. Getarnt als Zahnarzt adoptiert er die Mädchen Margo, Edith und Agnes – als Mittel zum Zweck, nicht aus Zuneigung. Die drei Mädchen erweisen sich als hartnäckige Störgröße in Grus Alltag, und gleichzeitig bringen sie seine gewohnte Ordnung durcheinander.
Zwischen Monddiebstahl und Vaterschaft
Agnes klammert sich sofort an ihn, während Edith Grenzen mit unerschütterlichem Gleichmut testet, und Margo behält einen kritischen Blick auf den selbsternannten Vormund. Obwohl Gru die Kinder mit als Keksroboter getarnten Spionagegeräten ausstattet, gelingt es ihm erst nach mehreren Versuchen, in Besitz des Schrumpfstrahlers zu gelangen. Doch seine Finanzierungsprobleme bleiben bestehen, sodass er weiterhin nach einer Lösung suchen muss. Schließlich kommt die Hilfe von unerwarteter Seite, denn die Mädchen und die Minions legen ihre Ersparnisse zusammen, und aus Schrottteilen entsteht eine funktionierende Rakete.
Mit dem Tag des geplanten Monddiebstahls fällt auch der Ballettauftritt der Mädchen zusammen, wodurch ein Konflikt entsteht. Dr. Nefario, Grus Wissenschaftler und enger Vertrauter, sieht in der wachsenden Bindung jedoch eine Gefahr für das gesamte Projekt. Deshalb veranlasst er hinter Grus Rücken die Rückgabe der Kinder ins Waisenhaus, obwohl Gru davon nichts weiß. Gebrochen, aber dennoch überzeugt, das Richtige zu tun, zieht Gru seinen Plan weiter durch und bleibt auf Kurs. Er fliegt schließlich zum Mond. Er schrumpft ihn auf Tomatengröße und hält damit sein Lebensziel buchstäblich in den Händen. Doch genau in diesem Moment entdeckt er die Eintrittskarte zum Ballett und beginnt zu zweifeln.
Gru kehrt zur Erde zurück – zu spät für die Aufführung, gerade rechtzeitig für eine Katastrophe. Vector hat die drei Mädchen entführt und fordert den Mond als Lösegeld. Nach der Übergabe bricht er sein Wort. Er flieht mit beiden ins All. Dr. Nefario hat inzwischen festgestellt, dass der Schrumpfeffekt zeitlich begrenzt ist. In letzter Sekunde gelingt es Gru und Nefario, die Mädchen zu befreien. Kurz darauf kehrt der Mond zu seiner ursprünglichen Größe zurück und schleudert Vectors Raumschiff in eine unkontrollierbare Umlaufbahn. Vector überlebt – gestrandet auf dem Mond. Gru nimmt die Vaterrolle an. Seine Mutter gesteht ihm schließlich ihren Stolz. Das Lebensziel ist erreicht – auf einem Weg, den er nie geplant hatte.
Filmkritik und Fazit zum Film „Ich – Einfach unverbesserlich“
„Ich – Einfach unverbesserlich“ gelingt etwas, das im Animationsfilm selten so konsequent umgesetzt wird: Es nimmt seine komische Prämisse ernst. Coffin und Renaud inszenieren das Schurkenmilieu mit visueller Überdrehtheit, ohne die emotionale Erzählung zu opfern. Die Bildsprache – verzerrte Proportionen, kantige Silhouetten, übergroße Köpfe auf kurzen Körpern – folgt einer inneren Logik, die kindliche Perspektive mit satirischer Überhöhung verbindet. Der Score von Pharrell Williams und Heitor Pereira trägt diese Doppelnatur: verspielt, wo Slapstick regiert, zurückhaltend, wo Gefühl gefragt ist.
Das Tempo des Films ist kalkuliert ungleichmäßig – was zunächst irritieren kann, sich aber als Stärke erweist. Die gnadenlos komischen Minion-Sequenzen funktionieren als Ventil, das emotionale Druck aufbaut statt abbaut. Wo andere Animationsfilme auf Popcorn-Rhythmus setzen, erlaubt sich dieser kleine Pausen, in denen sich Grus Wandel glaubhaft vollzieht. Schwächer sind jene Momente, in denen das Drehbuch einen Bogen zu viel schlägt – der finale Rettungsakt wirkt konstruiert, die Bedrohung durch den wachsenden Mond eher mechanisch als spannungserzeugend. Dennoch: Die Minions als Sidekicks besitzen eine stumme, körperkomische Qualität, die an Buster Keaton erinnert.
Für Freunde des gepflegten Animationsfilms ist dieser Einstand von Illumination Entertainment eine klare Empfehlung – vor allem für jene, die bereit sind, sich von einem Schurken rühren zu lassen. Der Film erreicht nicht die narrative Tiefe eines Pixar-Werks, stellt diese Ambition aber auch nie unaufrichtig zur Schau. Er weiß, was er ist: unterhaltsam, herzlich, gelegentlich dunkel – und das mit Haltung.