The Bling Ring

The Bling Ring“ erzählt vom Glamour als Selbstzweck, von einer Generation, die Ruhm nicht erarbeiten, sondern erbeuten möchte. Sofia Coppola nimmt einen wahren Kriminalfall zum Anlass, um das Phänomen der Celebrity-Kultur zu sezieren, ohne dabei in moralische Empörung zu verfallen. Stattdessen beobachtet sie kühl und präzise, wie sich Teenager in Los Angeles Zugang zur Welt der Promis verschaffen – nicht durch Talent oder Leistung, sondern durch Einbruch. Ihre Inszenierung wirkt dabei weniger wie ein Krimi, eher wie eine anthropologische Studie über das Leben im Schatten Hollywoods.

The Bling Ring
Dauer: 90 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2013
Kategorien: Drama, Krimi
Regie: Sofia Coppola
Produzenten: Youree Henley, Roman Coppola, Sofia Coppola
Hauptdarsteller: Katie Chang, Emma Watson, Taissa Farmiga
Nebendarsteller: Claire Julien, Israel Broussard, Leslie Mann, Georgia Rock
Studio: American Zoetrope, NALA Films

Coppola kennt diese Welt aus eigener Erfahrung, und diese Vertrautheit verleiht dem Film seine besondere Wirkung. Sie zeigt nicht nur die Taten, sondern das Biotop, in dem solche Exzesse möglich werden: eine Kultur, in der Besitz wichtiger ist als Besitztum, in der Facebook-Likes mehr zählen als echte Begegnungen. Die Regisseurin lässt ihre Protagonisten in Paris Hiltons tatsächlicher Villa drehen, was der Geschichte eine fast dokumentarische Qualität verleiht. Kann ein Film über oberflächliche Menschen tiefer sein als sein Thema?

Besetzung, Regie und Drehorte

The Bling Ring“ entstand 2013 unter der Regie und nach dem Drehbuch von Sofia Coppola, die auch als Produzentin fungierte. Die Vorlage lieferte der Vanity-Fair-Artikel „The Suspects Wore Louboutins“ von Nancy Jo Sales. Für die Kamera zeichneten Christopher Blauvelt und Harris Savides verantwortlich, die Musik stammt von Brian Reitzell und Daniel Lopatin. Sarah Flack übernahm den Schnitt des Films.

Die Hauptrollen besetzte Coppola mit überwiegend jungen, wenig bekannten Darstellern. Katie Chang spielt Rebecca, die Anführerin der Gruppe, Israel Broussard verkörpert Marc, den stillen Beobachter. Emma Watson übernahm die Rolle der Nicki, Taissa Farmiga die ihrer Schwester Sam. Claire Julien ergänzt das Ensemble als Chloe. Leslie Mann verkörpert Nickis Mutter Laurie.

Die Dreharbeiten fanden von März bis April 2012 in Kalifornien und Nevada statt. Gedreht wurde unter anderem in Los Angeles, Malibu, Calabasas und Las Vegas. Der Film feierte seine Premiere am 16. Mai 2013 bei den Filmfestspielen in Cannes in der Reihe Un Certain Regard. In den USA startete er am 14. Juni 2013, in Deutschland am 15. Juli desselben Jahres. Mit einem Budget von acht Millionen Dollar spielte er weltweit rund 20 Millionen ein.

Handlung & Inhalt vom Film „The Bling Ring“

Marc Hall wechselt an die Indian Hills High School in Agoura Hills, Kalifornien, und freundet sich dort mit Rebecca Ahn an. Die beiden beginnen, gemeinsam Autos in Wohnvierteln nach Wertsachen zu durchsuchen. Rebecca zeigt Marc, wie einfach es ist, sich zu nehmen, was man haben möchte. Als Marc erwähnt, dass Bekannte von ihm verreist seien, schlägt Rebecca vor, deren Haus aufzusuchen. Sie finden das Gebäude unverschlossen vor, Rebecca stiehlt Bargeld, eine Handtasche und die Schlüssel zu einem Porsche. Mit der Beute gehen sie shoppen, kaufen teure Kleidung und Accessoires. Marc begleitet Rebecca bald zu Partys, wo er ihre Freundinnen Nicki, Sam und Chloe kennenlernt. In einem Nachtclub beobachten sie Paris Hilton und andere Prominente.

Marc und Rebecca recherchieren im Internet, wann Paris Hilton außer Haus sein wird. Sie finden ihre Adresse, entdecken den Haustürschlüssel unter der Fußmatte und verschaffen sich Zugang. Im Inneren bewundern sie den Luxus, stehlen Schmuck und Designerstücke. Rebecca zeigt das Diebesgut auf einer Party, was Nicki neugierig macht. Beim nächsten Einbruch nehmen sie Nicki, Sam und Chloe mit. Die Mädchen durchstreifen das Anwesen wie ein Kaufhaus, füllen Taschen mit Schuhen, Kleidern und Bargeld. Chloe baut einen Unfall unter Alkoholeinfluss und wird zu Sozialstunden verurteilt. Marc und Rebecca kehren ein drittes Mal zu Paris Hilton zurück, werden beinahe vom Sicherheitsdienst entdeckt. Danach weiten sie ihre Aktivitäten aus und brechen nacheinander bei Audrina Patridge, Megan Fox sowie Orlando Bloom und Miranda Kerr ein. Marc findet bei Bloom sieben Rolex-Uhren und einen Stapel Bargeld, den er über Chloes Freund Ricky verkauft. Die Gruppe wird immer unvorsichtiger, postet Fotos der Beute auf Facebook und prahlt in ihrem Umfeld.

Verhaftung und Verurteilung

Ein Nachrichtenbericht zeigt Überwachungsaufnahmen von einem der Einbrüche, was Marc beunruhigt. Rebecca lässt sich davon nicht abschrecken und plant weitere Taten. Die Gruppe bricht noch in die Häuser von Rachel Bilson und Lindsay Lohan ein. Kurz darauf zieht Rebecca zu ihrem Vater nach Las Vegas. Die Medien berichten intensiv über die Einbruchserie, die Täter werden als „Bling Ring“ bezeichnet. Anhand von Überwachungsvideos, Zeugenaussagen und Social-Media-Posts identifizieren die Behörden die Gruppe. Marc, Nicki, Chloe, Rebecca, Rob und Ricky werden verhaftet, nur Sam bleibt unentdeckt.

Marc kooperiert mit der Polizei und schildert detailliert alle Einbrüche, sehr zum Ärger von Rebecca. Eine Journalistin der Vanity Fair interviewt beide. Marc zeigt Reue, scheint aber auch fasziniert von der Aufmerksamkeit. Nicki gibt anderen die Schuld, bezeichnet sich selbst als religiöse Humanistin. Die Angeklagten werden zu unterschiedlich langen Haftstrafen verurteilt und müssen Millionen Dollar Schadensersatz zahlen. Marc wird ins Gefängnis gebracht, umgeben von älteren Kriminellen.

Einige Zeit später tritt Nicki in einer Talkshow auf, erzählt von ihren 30 Tagen Haft. Sie erwähnt, dass Lindsay Lohan zur gleichen Zeit in derselben Einrichtung einsaß. Dann wendet sie sich direkt an die Kamera und bewirbt ihre Webseite, auf der sie ihre „Reise“ dokumentiert. Die Selbstvermarktung geht weiter, nun unter neuen Vorzeichen. Der Film endet, ohne moralisch abzuurteilen – er zeigt nur, wie das System funktioniert.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Bling Ring“

Sofia Coppola inszeniert „The Bling Ring“ mit der kühlen Distanz einer Ethnologin. Sie verzichtet auf Dramatisierung, lässt stattdessen die Wiederholung für sich sprechen. Die Kameraarbeit von Blauvelt und Savides fängt die Leere hinter dem Glanz ein, besonders eindrucksvoll in einer langen Einstellung, die einen Einbruch aus der Ferne beobachtet – zwei Gestalten huschen durch erleuchtete Räume wie Kinder in einem Puppenhaus. Die Darsteller agieren überzeugend in ihrer Oberflächlichkeit, wobei Israel Broussard Marcs wachsende Faszination nuanciert vermittelt. Katie Chang gibt Rebecca eine beunruhigende Selbstverständlichkeit, mit der sie sich fremdes Eigentum aneignet.

Die narrative Struktur folgt bewusst einem monotonen Rhythmus: Recherche, Einbruch, Shopping, Party. Diese Repetition wirkt zunächst ermüdend, erweist sich jedoch als kalkuliertes Stilmittel. Coppola zeigt, wie leer dieser Lifestyle tatsächlich ist, wie schnell der Rausch verfliegt. Der Musikeinsatz verstärkt diesen Effekt, elektronische Beats unterlegen die Partyszenen, schaffen eine trancehafte Atmosphäre. Die Montage von Sarah Flack wechselt geschickt zwischen Zeitebenen, verhindert so dramaturgische Durchhänger. Dennoch bleibt der Mittelteil zäh, was freilich dem Sujet geschuldet sein mag: Langeweile als Symptom.

Coppolas Film funktioniert als präzise Zeitdiagnose, als Porträt einer Generation, die Sein und Schein nicht mehr unterscheiden kann. Sie urteilt nicht, sondern beobachtet, was ihn von üblichen Moralstücken abhebt. Wer einen spannenden Heist-Film erwartet, wird enttäuscht. Wer sich auf eine formale Analyse von Celebrity-Kultur einlässt, erhält ein stilsicheres, wenn auch mitunter sperriges Werk.

X