The Housemaid – Wenn sie wüsste

The Housemaid – Wenn sie wüsste“ nutzt das vertraute Setting einer wohlhabenden Vorstadtfamilie, um Machtstrukturen sichtbar zu machen. Der Film setzt auf psychische Gewalt, eingefasst in eine kontrollierte Bildsprache. Durch die Reduktion aufs Wesentliche gewinnt jedes Detail an Bedeutung. Kamera und Musik arbeiten gegen die Emotion, nicht mit ihr. So entsteht eine Atmosphäre, in der Kontrolle zum eigentlichen Thema wird. Im Zentrum steht eine Figur, die sich ihrer Rolle zunächst unterordnet – und sie dann neu definiert.

The Housemaid - Wenn sie wüsste
Dauer: 131 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2025
Kategorien: Thriller
Regie: Paul Feig
Produzenten: Paul Feig, Todd Lieberman, Laura Allen Fischer
Hauptdarsteller: Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar
Nebendarsteller: Michele Morrone, Indiana Elle, Sarah Cooper, Elizabeth Perkins
Studio: Lionsgate, Media Capital Technologies, Hidden Pictures, Pretty Dangerous Pictures

Der Kontakt zwischen Millie und den Winchesters verändert sich bereits beim ersten Aufeinandertreffen. Durch kleine Brüche und beiläufige Informationen verschiebt sich das Machtverhältnis. Parallel entfalten sich alte Traumata, die nie verarbeitet wurden, sondern Teil eines perfiden Systems geblieben sind. Die Enge des Hauses wirkt nicht wie ein Schutzraum, sondern wie ein Katalysator. Welche Folgen entstehen, wenn Kontrolle zur einzigen Form von Nähe wird?

Besetzung, Regie und Drehorte

The Housemaid – Wenn sie wüsste“ ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2025. Regie führte Paul Feig, das Drehbuch stammt von Rebecca Sonnenshine. Grundlage bildet der gleichnamige Roman von Freida McFadden. Produziert wurde der Film von Todd Lieberman, Laura Allen Fischer, Paul Feig und Carly Kleinbart. Die Musik komponierte Theodore Shapiro, für die Kamera war John Schwartzman verantwortlich. Die Dreharbeiten fanden Anfang 2025 in New Jersey statt. Seine Premiere feierte der Film am 2. Dezember 2025 in New York City.

In den Hauptrollen sind Sydney Sweeney als Millie Calloway, Amanda Seyfried als Nina Winchester und Brandon Sklenar als Andrew Winchester zu sehen. Weitere Rollen übernahmen Michele Morrone als Enzo, Elizabeth Perkins als Evelyn Winchester, Mark Grossman als Scott Crawford, Hannah Cruz als Lexi sowie Indiana Elle als Cecelia Winchester. Das Kostümdesign gestaltete Renee Ehrlich Kalfus. Der Film hat eine Laufzeit von 132 Minuten und erhielt eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. In Deutschland erschien der Film am 15. Januar 2026 im Kino.

Bei den Astra Film Awards gewann der Film den Preis für die beste Buchverfilmung. Amanda Seyfried erhielt eine Nominierung als Schauspielerin des Jahres bei der Columbus Film Critics Association. Weitere Nominierungen folgten durch die Hawaii Film Critics Society und den New Jersey Film Critics Circle. Paul Feig wurde von der Michigan Movie Critics Guild ebenfalls nominiert. Eine Fortsetzung mit dem Titel „The Housemaid’s Secret – Sie kann dich hören“ befindet sich in Arbeit. Bis Januar 2026 spielte der Film weltweit 192 Millionen Dollar ein.

Handlung & Inhalt vom Film „The Housemaid – Wenn sie wüsste“

Millie Calloway beginnt einen neuen Lebensabschnitt, als sie bei der reichen Familie Winchester in Long Island als Hausangestellte einzieht. Sie befindet sich auf Bewährung und bezieht ein abgeschlossenes Dachzimmer mit verriegeltem Fenster. Von Anfang an wirkt Nina Winchester, die Hausherrin, psychisch labil. Ihre Aussagen widersprechen sich häufig, und sie stellt Millie gezielt vor ausweglose Situationen. Nachbarn berichten ihr schließlich von einem Vorfall, bei dem Nina angeblich ihre Tochter Cece ertränken wollte. Auch ein Suizidversuch soll Teil dieser Vergangenheit gewesen sein.

Eines Tages bittet Nina Millie, ein Wochenende in der Stadt zu organisieren. Sie soll Tickets für ein Musical buchen und ein Hotelzimmer reservieren. Nach der Organisation stellt Nina alles in Abrede und kündigt an, die Kosten vom Lohn abzuziehen. Da Nina nicht mitreist, beschließt Andrew, der Ehemann, mit Millie das Wochenende zu verbringen. Sie sehen das Stück, gehen essen und verbringen die Nacht im Hotel. Nach ihrer Rückkehr entdeckt Nina ein Programmheft der Aufführung. Es kommt zum Streit, woraufhin Andrew Nina aus dem Haus verweist und Millie bei sich einziehen lässt.

Vergangenheit als Waffe

Was zunächst wie eine neue Phase beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum. Beim Frühstück zerbricht Millie versehentlich einen wertvollen Teller. Andrew bleibt ruhig, doch wenig später sperrt er sie in ihr altes Zimmer im Dachgeschoss ein. Parallel dazu erfährt man in Rückblenden, wie er bereits Nina mit sadistischen Mitteln gefügig machte: Er sperrte sie ein, zwang sie zur Selbstverletzung und manipulierte die Situation so, dass sie als gefährlich galt. Andrew ließ sie später in eine psychiatrische Klinik einweisen, wo sie erst nach einem falschen Geständnis entlassen wurde. Nina hatte Millie gezielt ausgewählt, um Andrew in eine Falle zu locken.

Im abgeschlossenen Raum verlangt Andrew nun von Millie, sie solle sich mit Scherben eines zerbrochenen Tellers selbst verletzen. Erst dann wolle er sie freilassen. Millie folgt der Anweisung, greift ihn jedoch im entscheidenden Moment mit einem versteckten Messer an. Sie überlebt, flieht und alarmiert niemanden. Nina, die sich eigentlich zurückziehen wollte, kehrt auf Bitten ihrer Tochter zurück und befreit Millie aus Versehen erneut. Andrew nutzt die Gelegenheit für einen letzten Angriff. Doch Millie greift ein und stößt ihn im Kampf über das Geländer, was zu seinem Tod führt. Gemeinsam mit Enzo täuscht Nina später einen Unfall vor.

Nach Andrews Beerdigung überreicht Nina Millie einen Scheck über hunderttausend Dollar als Starthilfe. Beide Frauen gehen fortan getrennte Wege. Millie bewirbt sich erneut als Haushälterin, diesmal bei einer Frau namens Lisa, die andeutet, ebenfalls unter häuslicher Gewalt zu leiden. Ohne zu zögern, erklärt Millie sich bereit, sofort anzufangen. Es entsteht der Eindruck, dass sie bereit ist, ihre eigenen Erfahrungen zu nutzen, um künftig anderen zu helfen – oder erneut einzugreifen, wenn es notwendig wird.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Housemaid – Wenn sie wüsste“

The Housemaid – Wenn sie wüsste“ arbeitet mit kontrollierter Kälte und präziser Bildsprache. Regisseur Paul Feig reduziert jedes Mittel auf das Notwendige, wodurch jede Abweichung umso mehr Wirkung entfaltet. Die Kamera von John Schwartzman bleibt oft statisch, beobachtet stumm, statt zu kommentieren. Gerade in den engen Innenräumen entsteht so ein Gefühl permanenter Kontrolle. Theodore Shapiros Musik drängt sich nicht auf, sondern legt sich wie ein unsichtbares Netz über die Szenen. Jede Störung darin wirkt bedrohlich und zielt direkt auf die Nerven der Zuschauer.

Sydney Sweeney zeigt eine körperlich spürbare Entwicklung von vorsichtiger Anpassung zu kontrollierter Gegenwehr. Amanda Seyfried spielt Nina mit einer Unberechenbarkeit, die sich nie greifbar macht und dadurch konstant Unruhe erzeugt. In einer zentralen Szene fordert ein einziger Ton – das Klirren von Porzellan – eine körperliche Reaktion, die die Kamera mit klinischer Genauigkeit verfolgt. Nichts wird ausgeblendet, nichts überzeichnet. Gerade dadurch entsteht die eigentliche Härte. „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ arbeitet sich präzise an Machtverhältnissen ab und bleibt dabei formal diszipliniert und analytisch.

Feig erzählt kein Drama im klassischen Sinne, sondern seziert emotionale Gewalt als strukturelles Machtinstrument. Jede Einstellung wirkt durchdacht, jede Bewegung kontrolliert, jeder Schnitt taktisch. Wer emotionale Klarheit und stringente Figurenführung schätzt, findet hier ein durchkomponiertes Thrillerkonstrukt. Wer eher auf Tempo und offene Spannung setzt, dürfte distanziert bleiben. Doch genau diese Distanz gehört zur Haltung des Film: Sie lässt keinen Trost zu, sondern zwingt zum Hinsehen, präzise, kühl, fordernd.

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