Kon-Tiki
Manche Ideen klingen zunächst absurd. Und genau das macht sie interessant. Mit „Kon-Tiki“ greifen die Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg einen solchen Fall auf: einen Wissenschaftler, der 1947 gegen den gesamten Forschungsstand seiner Zeit antritt. Das Drama stellt die Frage, was einen Menschen antreibt, alles zu riskieren, nur um eine Theorie zu beweisen.

| Dauer: | 109 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2012 |
| Kategorien: | Drama |
| Regie: | Joachim Rønning, Espen Sandberg |
| Produzenten: | Jeremy Thomas, Aage Aaberge |
| Hauptdarsteller: | Pål Sverre Hagen, Anders Baasmo Christiansen, Tobias Santelmann |
| Nebendarsteller: | Gustaf Skarsgård, Odd-Magnus Williamson, Jakob Oftebro, Agnes Kittelsen |
| Studio: | Stunt Bros, Recorded Picture Company, Roenbergfilm, DCM Pictures, Film i Väst, Nordisk Film Denmark |
Thor Heyerdahl ist überzeugt, dass Polynesien vor rund 1500 Jahren von Südamerika aus besiedelt wurde. Er gewinnt fünf Mitstreiter, baut mit ihnen ein Floß aus Balsaholz und sticht vom peruanischen Callao in See. 101 Tage später landet die Crew im Tuamotu-Archipel. Was trieb Heyerdahl wirklich an, und war der Preis dafür am Ende zu hoch?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Kon-Tiki“ ist ein norwegisches Filmdrama aus dem Jahr 2012. Joachim Rønning und Espen Sandberg führten gemeinsam Regie. Das Drehbuch schrieb Petter Skavlan, und Allan Scott wirkte als Drehbuchberater mit. Produziert haben den Film Aage Aaberge und Jeremy Thomas. Johan Söderqvist komponierte die Filmmusik, und Geir Hartly Andreassen übernahm die Kamera. Der Film hat eine Laufzeit von 118 Minuten und trägt die Altersfreigabe FSK 12.
Pål Sverre Valheim Hagen spielt Thor Heyerdahl, und Anders Baasmo Christiansen verkörpert Herman Watzinger. Gustaf Skarsgård ist als Bengt Danielsson zu sehen, während Odd-Magnus Williamson Erik Hesselberg darstellt. Tobias Santelmann spielt Knut Haugland, und Jakob Oftebro übernimmt die Rolle des Torstein Raaby. Agnes Kittelsen spielt Liv Heyerdahl, und weitere Rollen übernehmen Manuel Cauchi, Søren Pilmark sowie Richard Trinder.
Die Dreharbeiten fanden in Phuket, auf den Malediven, in Oslo, Lillehammer, Bulgarien, Malta, Schweden und den USA statt. Produziert wurde der Film in zwei Versionen: einer norwegischen und einer englischen. Der Film kostete 93 Millionen Kronen und war damit der teuerste norwegische Film seiner Zeit. Sowohl für den Golden Globe als auch für den Oscar erhielt er eine Nominierung in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“.
Handlung & Inhalt vom Film „Kon-Tiki“
Thor Heyerdahl widerspricht der gängigen Wissenschaft seiner Zeit. Er glaubt fest daran, dass Polynesien vor rund 1500 Jahren von Südamerika aus besiedelt wurde. Diese Theorie steht im Widerspruch zur etablierten Forschung, die eine Einwanderung aus Asien annimmt. Um seine Überzeugung zu belegen, plant er eine waghalsige Expedition. Dabei will er ausschließlich Mittel nutzen, die auch den ursprünglichen Siedlern zur Verfügung gestanden hätten. Seine Entschlossenheit treibt ihn an, alles für diesen Beweis zu riskieren.
Heyerdahl gewinnt fünf Mitstreiter für sein Vorhaben. Herman Watzinger bringt sein Wissen als Ingenieur ein, während Torstein Raaby die Funkverbindung übernimmt. Knut Magne Haugland ist Etymologe, Bengt Danielsson kocht für die Mannschaft, und Erik Hesselberg navigiert als erfahrener Seemann. Gemeinsam reisen sie nach Peru, um die Expedition vorzubereiten. Dort bauen sie nach südamerikanischer Tradition ein Floß aus Balsaholzstämmen. Heyerdahl nennt es „Kon-Tiki“, nach einem Schöpfergott der Inka-Mythologie.
Beweis einer historischen Theorie
Die sechs Männer kennen sich vor der Expedition kaum. Nur einer von ihnen besitzt Segelerfahrung, und Heyerdahl selbst kann nicht schwimmen. Dennoch sticht die Mannschaft vom peruanischen Callao aus in See. Anfangs treibt das Floß in die falsche Richtung, doch schließlich übernimmt die Meeresströmung die Führung. Tag für Tag fordern Naturgewalten und Entbehrungen die Männer heraus. Zudem erfährt Heyerdahl während der Fahrt, dass seine Frau sich von ihm trennt.
Unterwegs zeigen sich ernsthafte Mängel am Floß. Die Bindungen der Baumstämme beginnen sich zu lösen, und Watzinger drängt Heyerdahl, sie mit modernem Stahlseil zu sichern. Heyerdahl lehnt dies jedoch ab, weil er die historische Authentizität der Reise bewahren will. Dieser Konflikt belastet die Crew spürbar, doch die Männer halten zusammen. Trotz aller Rückschläge setzen sie ihre gefährliche Fahrt konsequent fort. Ihr gemeinsamer Wille hält die Expedition am Leben.
Nach 101 Tagen auf See läuft das Floß vor Raroia im Tuamotu-Archipel auf Grund. Die Mannschaft legt dabei rund 7.000 Kilometer zurück. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 1,5 Knoten bringt sie ans Ziel. Heyerdahl beweist damit, dass eine solche Überfahrt mit einfachen Mitteln möglich war. Seine Theorie erhält durch die Reise eine greifbare Grundlage. Die Expedition gilt als eine der bemerkenswertesten Leistungen des 20. Jahrhunderts.
Fazit & Kritiken zum Film „Kon-Tiki“
Rønning und Sandberg erzählen in „Kon-Tiki“ eine wahre Geschichte mit sichtbarem Aufwand. Der Film setzt auf spektakuläre Bilder und packende Momente auf dem offenen Meer. Besonders die Szenen mit Haien und einem Walauftauchen neben dem Floß wirken glaubwürdig und eindringlich. Pål Sverre Valheim Hagen trägt den Film als Heyerdahl mit körperlicher Präsenz. Dennoch bleibt er eine eindimensionale Figur: mutig, stur, unangreifbar. Das Drehbuch zeigt wenig Interesse an seinen Widersprüchen. Und dabei wären diese durchaus vorhanden.
Das größte Problem liegt in der Figurenzeichnung. Herman Watzinger zum Beispiel wirkt durchgehend nervös und unentschlossen. Dabei war er in der Realität zweiter Kommandant der Expedition. Diese Vereinfachung provozierte sogar öffentliche Kritik von Watzingers Nachkommen. Auch die anderen Besatzungsmitglieder bleiben blass, obwohl alle sechs Männer über 100 Tage auf engstem Raum zusammenleben. Zwischenmenschliche Konflikte deuten sich an, aber das Drehbuch arbeitet sie nicht aus. So verschenkt der Film sein größtes dramatisches Potenzial.
Hinzukommen erfundene Szenen, die die historische Glaubwürdigkeit schwächen. Ein Malstrom bei den Galapagosinseln und das Motiv der dreizehnten Welle sind dramaturgische Zusätze ohne reale Grundlage. Heyerdahls Ehekrise fließt ebenfalls ein, obwohl sie in seinen eigenen Aufzeichnungen keine Rolle spielt. Der Film funktioniert als Abenteuerunterhaltung, aber er schöpft seinen Stoff nicht aus. Die wahre Geschichte ist schlicht fesselnder als das, was auf der Leinwand erscheint.