Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss
Das Kino der Animationsbranche lebt von Rückkehrern. „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ kehrt in eine Epoche zurück, die das Franchise bislang nur gestreift hat: in die schrille, scheppernde Welt der 1970er Jahre, wo Plattenläden als Verbrecherhöhlen fungieren und Superschurken noch Stil hatten. Illumination Entertainment wagt damit mehr Milieuspezifik als in früheren Ablegern der Reihe. Das Setting sitzt.

| Dauer: | 88 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2022 |
| Kategorien: | Animation |
| Regie: | Kyle Balda |
| Produzenten: | Janet Healy, Chris Renaud, Chris Meledandri |
| Hauptdarsteller: | Steve Carell, Pierre Coffin, Alan Arkin |
| Nebendarsteller: | Taraji P. Henson, Julie Andrews, Jean-Claude Van Damme, Lucy Lawless |
| Studio: | Universal Pictures, Illumination |
Ein zwölfjähriger Gru mit Schlabberpullover und Ambitionen, die weit über seine Körpergröße hinausgehen – das ist das Versprechen dieses Prequels. Die Frage, die sich dabei zwangsläufig stellt: Reicht das Potential des 70er-Jahre-Rahmens, um einer Franchise neuen Atem einzuhauchen, die nach einem Jahrzehnt gelber Allgegenwart um Frische ringen muss?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ ist der fünfte Film der Despicable-Me-Reihe und der zweite Soloauftritt der gelben Chaoten. Regie führte Kyle Balda, der bereits den ersten Minions-Film mitverantwortet hatte. Das Drehbuch stammt von Matthew Fogel, basierend auf einer Geschichte von Fogel und Brian Lynch. Produziert wurde der Film von Christopher Meledandri, Janet Healy, Chris Renaud und Paul Ashdown unter dem Banner von Illumination Entertainment und Universal Pictures.
Steve Carell leiht dem jungen Gru erneut seine Stimme, für ein Honorar von kolportierten 12,5 Millionen Dollar. Pierre Coffin übernimmt wie gewohnt die vielstimmige Minions-Gemeinschaft. Zu den Rückkehrern zählen außerdem Russell Brand als Dr. Nefario, Will Arnett als Mr. Perkins, Steve Coogan als Silas Ramsbottom und Julie Andrews als Grus Mutter Marlena. Neu im Ensemble sind Taraji P. Henson, Michelle Yeoh sowie Alan Arkin in seiner letzten Filmrolle.
Der Film hat eine Laufzeit von 87 Minuten und ist ab FSK 6 freigegeben. Er debütierte im Juni 2022 beim Festival d’Animation Annecy und startete in Deutschland am 30. Juni 2022. Ursprünglich für Juli 2020 geplant, verzögerten COVID-19-bedingte Produktionsunterbrechungen den Kinostart um zwei Jahre. Weltweit spielte der Film rund 936,6 Millionen US-Dollar ein und wurde damit zum umsatzstärksten Animationsfilm des Jahres 2022.
Handlung & Inhalt vom Film „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“
Die Geschichte spielt in den Vereinigten Staaten der frühen 1970er Jahre. Der zwölfjährige Felonius Gru wächst als bekennender Fanboy der Fiesen 6 auf – einer berüchtigten Gruppe von Superschurken, die er mit kindlicher Inbrunst verehrt. Als die Gruppe ihren legendären Anführer Wilder Knöchelknacker entlässt, wittert Gru seine Chance: Er bewirbt sich als neues Mitglied. Die Fiesen 6 weisen ihn jedoch brüsk zurück. Gru reagiert, wie Gru es tut – mit einem Plan, der aus einer Mischung aus Trotz und Ehrgeiz geboren ist.
Gemeinsam mit seinen Minions stiehlt Gru den Fiesen 6 einen kostbaren Stein, der mit dem chinesischen Tierkreis verbunden ist. Den Transport des Steins überträgt er dem Minion Otto. Dieser tauscht das wertvolle Objekt prompt gegen einen Haustierstein – sehr zur Empörung seines Mini-Bosses. Während Gru nach dem Stein sucht, wird er von Wilder Knöchelknacker entführt und nach San Francisco verschleppt. Knöchelknacker setzt die Minions unter Druck: Sie sollen den Stein binnen 48 Stunden liefern, sonst stirbt Gru.
Kung-Fu, Chaos und ein letzter Kampf
Die Minions machen sich auf den Weg nach San Francisco. Bei ihrer Suche stoßen sie auf Master Chow, eine ehemalige Kung-Fu-Lehrerin, die jetzt eine Akupunkturklinik betreibt. Sie bringt den drei Minions Kevin, Stuart und Bob die Grundlagen des Kampfsports bei – mit mäßigem Erfolg. Gleichzeitig verfolgt Otto in der Wüste einen Motorradfahrer, der den gestohlenen Stein als Halskette trägt, und holt ihn schließlich im Death Valley ein. Gru und Knöchelknacker nähern sich inzwischen einander an und stehlen gemeinsam die Mona Lisa.
Die Fiesen 6 eskalieren die Lage: Sie zerstören Knöchelknackers Haus und ziehen nach Chinatown weiter. Knöchelknacker, von den Verrat früherer Freunde erschüttert, wendet sich von Gru ab. Die Situation spitzt sich bei einer chinesischen Neujahrsparade zu, wo sich beide Seiten – sowie Agenten der Anti-Verbrecher-Liga – gegenüberstehen. Die Fiesen 6 nutzen den Stein, um sich in Tiere des Tierkreises zu verwandeln, und fesseln Gru an die Zeiger eines Uhrturms.
Die Minions greifen ein, werden dabei selbst in Tiere verwandelt, befreien sich jedoch mit ihren frisch erlernten Kung-Fu-Techniken. Knöchelknacker kehrt an Grus Seite zurück, wird beim Versuch, den Stein zurückzuholen, jedoch schwer verletzt. Gru setzt den Stein ein, um die Fiesen 6 in Ratten zu verwandeln, woraufhin sie verhaftet werden. Auf Knöchelknackers vermeintlichem Begräbnis hält Gru eine Trauerrede – ehe sich herausstellt, dass der alte Schurke noch lebt. Im Abspann willigt Dr. Nefario nach kurzem Zögern ein, Gru zu unterstützen, und gemeinsam bricht die neue Gemeinschaft in einem Luftschiff auf.
Filmkritik und Fazit zum Film „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“
„Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ gelingt dort am meisten, wo er sich am wenigsten um Struktur schert. Kyle Balda inszeniert die anarchistischen Minions-Sequenzen mit echtem Rhythmusgefühl: Die Kung-Fu-Trainingsmontage, bei der drei völlig unbegabte gelbe Wesen scheitern, funktioniert als visuelles Feuerwerk aus Timing und Körperkomik. Heitor Pereiras Score und der von Jack Antonoff produzierte Soundtrack aus 70er-Jahre-Covern schaffen ein musikalisches Ambiente, das die Retro-Atmosphäre konsequent trägt, ohne in nostalgische Beliebigkeit abzugleiten.
Schwächer zeigt sich der Film dort, wo das Drehbuch emotionalen Halt sucht und ihn nicht findet. Der Konflikt zwischen Gru und seinen Minions – er schämt sich für sie, will sie loswerden – wird als dramaturgisches Gerüst aufgebaut, bricht aber früh in sich zusammen, ohne seine Laufzeit rechtfertigen zu können. Ähnliches gilt für die Dynamik zwischen Gru und Knöchelknacker: Das Potenzial dieser ungleichen Schurken-Allianz bleibt weitgehend unausgeschöpft. Das Actionfinale in Chinatown bietet zwar technisch beeindruckende Effektanimation, verliert dabei jedoch an Pointiertheit.
Wer die Reihe kennt und schätzt, wird auch hier seine Momente finden – die Minions rocken verlässlich, das Setting sitzt, der Soundtrack überrascht. Wer von einem Animationsfilm mehr erwartet als episodischen Slapstick mit dünnem Bindemittel, dürfte frustriert nach Hause gehen. Als leichtes Sommerkinovergnügen für Familien und eingefleischte Fans der Franchise erfüllt der Film seinen Zweck – nicht mehr, nicht weniger.