The Danish Girl

The Danish Girl“ erzählt von einer Suche, die keine Landkarte kennt. Tom Hooper inszeniert 2015 die Geschichte von Lili Elbe, einer der ersten Personen, die sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog, als feines Kammerspiel zwischen Selbsterkenntnis und Verlust. Es ist ein Film über die Stille zwischen zwei Menschen, die sich lieben und doch nicht mehr dasselbe meinen, wenn sie das Wort „Ich“ verwenden.

The Danish Girl
Dauer: 119 Min.
FSK: 6 (DE)
Jahr: 2015
Kategorien: Drama, Romantik
Regie: Tom Hooper
Produzenten: Eric Fellner, Anne Harrison, Tim Bevan, Tom Hooper, Gail Mutrux
Hauptdarsteller: Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Matthias Schoenaerts
Nebendarsteller: Ben Whishaw, Sebastian Koch, Pip Torrens, Nicholas Woodeson
Studio: Pretty Pictures, Working Title Films, Artémis Productions, Shelter Productions, Senator Global Productions, ReVision Pictures, Working Title Films

Kopenhagen in den frühen 1920er Jahren: ein Malerhaus, Pastelltöne, zärtliche Blicke. Was hier beginnt, ist kein Abenteuer der Identität, sondern eine langsame Erosion vertrauter Gewissheiten. Wie wird aus einem Paar, das sich in seiner Zweisamkeit vollständig wähnte, ein Paar, das erst lernen muss, wer der eine und wer die andere überhaupt ist?

Besetzung, Regie und Drehorte

The Danish Girl“ ist eine US-amerikanisch-britische Filmbiografie aus dem Jahr 2015, produziert von Tom Hooper, Gail Mutrux, Anne Harrison, Tim Bevan und Eric Fellner. Das Drehbuch verfasste Lucinda Coxon nach dem gleichnamigen Roman von David Ebershoff aus dem Jahr 2000, der seinerseits auf dem autobiografischen Lebensbericht Lili Elbes basiert. Die Musik stammt von Alexandre Desplat, die Kameraarbeit übernahm Danny Cohen, den Schnitt verantwortete Melanie Oliver.

In der Hauptrolle des Einar Wegener, der sich als Lili Elbe erkennt, ist Eddie Redmayne zu sehen – kurz nach seinem Oscar-Gewinn für „Die Entdeckung der Unendlichkeit“. Als seine Ehefrau Gerda Wegener agiert Alicia Vikander, flankiert von Matthias Schoenaerts als Jugendfreund Hans Axgil, Sebastian Koch als Arzt Kurt Warnekros sowie Amber Heard als Freundin Ulla und Ben Whishaw als Henrik. Die Dreharbeiten führten das Team nach London, Kopenhagen, Brüssel, Norwegen und Berlin, wo auch Panoramaaufnahmen für Dresden entstanden.

Der Film läuft 120 Minuten und trägt in Deutschland die FSK-Freigabe ab 6 Jahren. Bei den Oscars 2016 gewann Alicia Vikander als Beste Nebendarstellerin; Redmayne, Desplat und das Ausstattungsteam erhielten weitere Nominierungen. Beim Venedig-Filmfestival 2015 wurde der Film mit dem Queer Lion Award ausgezeichnet, die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh ihm das Prädikat „besonders wertvoll“.

Handlung & Inhalt vom Film „The Danish Girl“

Kopenhagen, frühe 1920er Jahre. Der dänische Landschaftsmaler und Illustrator Einar Wegener führt gemeinsam mit seiner Frau Gerda, einer Porträtmalerin, ein lebendiges Künstlerleben. Die Ehe ist von gegenseitiger Zuneigung geprägt, die beiden bewegen sich selbstverständlich durch die Welt des Kunstbetriebs. Als Gerdas weibliches Modell eines Tages verhindert ist, bittet sie Einar, für sie einzuspringen und Ballettschuhe sowie feine Damenstrümpfe anzulegen. Was als pragmatische Lösung beginnt, löst in Einar etwas aus, das sich nicht mehr zurückdrängen lässt. Die gemeinsame Freundin Ulla nennt Einar in Frauenkleidern scherzhaft „Lili“ – ein Name, der haftenbleibt.

Gerda, die mit ihren bisherigen Porträts wenig Anklang gefunden hatte, malt Lili. Die Bilder erregen Aufmerksamkeit auf dem Kunstmarkt. Bald nimmt Einar auch gesellschaftlich die Rolle Lilis an, beobachtet das Verhalten anderer Frauen, eignet sich deren Gestik und Körpersprache an. Bei einem Künstlerball tritt Lili als angebliche Cousine Einars auf und verbringt den Abend im Gespräch mit dem Kunststudenten Henrik, der sie küsst. Gerda erlebt diese Begegnung, und als sie Einar am nächsten Morgen darauf anspricht, erklärt er ihr: Henrik habe nicht ihn, sondern Lili geküsst. Die Ehe beginnt sich zu verschieben, die Grenzen zwischen Einar und Lili werden fließender und die gemeinsame Wirklichkeit des Paares fragiler.

Zwischen Selbstfindung und Entscheidung

Lili und Gerda ziehen nach Paris, wo Gerdas Porträts von Lili schließlich den Erfolg bringen, der ihr in Kopenhagen verwehrt blieb. Dort begegnet Lili ihrem Jugendfreund Hans Axgil wieder, einem Kunsthändler, der einfühlsam auf Lilis Wandel reagiert. Während Gerda und Hans einander näherkommen, sucht Lili Rat bei Ärzten – und stößt auf Unverständnis, Fehldiagnosen, den Vorwurf der Schizophrenie und die Drohung einer Einweisung. Nur die Empfehlung von Ulla führt schließlich zu dem Dresdener Arzt Kurt Warnekros, der Lili ernst nimmt. Er erklärt ihr die Möglichkeit einer geschlechtsangleichenden Operation in zwei Schritten: zuerst die Entfernung der männlichen Geschlechtsorgane, dann die Formung eines weiblichen Organs.

Der Eingriff ist nahezu unerprobt und mit erheblichen Risiken verbunden. Lili entscheidet sich dennoch sofort und reist allein nach Deutschland. Gerda zögert, folgt ihr aber nach Dresden und begleitet sie durch die erste schwierige Phase der Genesung. Nach der Rückkehr arbeitet Lili in einer Parfümabteilung, findet Alltag und Identität im Einklang. Doch der Wunsch nach der zweiten Operation bleibt bestehen. Gerda fleht sie an zu warten, Lili besteht auf dem nächsten Schritt. Sie reist erneut nach Dresden, diesmal begleiten sie Gerda und Hans.

Beim zweiten Eingriff kommt es zu schwerwiegenden Komplikationen. Lili verliert viel Blut und stirbt, umgeben von Gerda und Hans. Nach ihrem Tod reisen die beiden in die dänische Heimat, durchwandern die Landschaften, die Einar einst malte – und erkennen, dass all diese Bilder immer schon von Lili erzählten, lange bevor Lili einen Namen hatte. Der Seidenschal, den Lili und Gerda sich einander immer wieder geschenkt hatten, treibt im Wind davon.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Danish Girl“

The Danish Girl“ ist ein Film, der Schönheit zur Methode erhebt. Tom Hooper inszeniert mit pastell-gesättigter Bildsprache, weich kadrierten Innenräumen und Dannys Cohens warmem Licht eine Welt, die aussieht wie ein Gemälde – was thematisch konsequent ist, aber narrativ auch eine gewisse Distanz schafft. Alexandre Desplats Musik unterstreicht diese Atmosphäre mit sanfter Eindringlichkeit, bleibt dabei allerdings stets im Register des Elegischen. Eddie Redmaynes Spiel als Lili lebt von kleinen körperlichen Beobachtungen: die Art, wie er eine Hand hält, wie er einen Stoff berührt, wie sich die Haltung allmählich verändert – das ist präzise Charakterarbeit ohne plakative Geste.

Das eigentliche Zentrum des Films ist jedoch Alicia Vikander als Gerda. Während Redmaynes Figur über weite Strecken in einer inneren Sphäre verbleibt, die dem Zuschauer nur ausschnittsweise zugänglich ist, trägt Vikander die emotionale Last des Films mit einer Intensität, die nie überborden möchte. Ihre Gerda ist keine aufopferungsvolle Heilige, sondern eine Frau, die liebt, hadert, kämpft und schließlich loslässt – und in diesem Prozess eine eigene Geschichte durchlebt. Das Drehbuch von Lucinda Coxon verdichtet die historischen Ereignisse, lässt Aspekte wie die Annullierung der Ehe bewusst aus und entwirft eine Erzählung, die auf emotionale Kohärenz setzt, gelegentlich auf Kosten biographischer Komplexität.

Der Film lohnt sich für alle, die an präzisem Schauspiel, handwerklich eleganter Ausstattung und einer ernsthaft erzählten Identitätsgeschichte interessiert sind. Er ist kein radikaler Film, sondern ein sorgfältig gearbeiteter – mit dem Mut, Stille auszuhalten, wo andere Dramen eskalieren würden. Wer Tiefenschärfe in der Figurenzeichnung erwartet, findet sie vor allem in Vikanders Gerda. Das ist keine Schwäche des Films. Es ist seine entscheidende, kluge Verschiebung des Blicks.

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