Der Killer
Mit „Der Killer“ nimmt sich David Fincher erneut einer Figur an, die sich dem Chaos mit Struktur entgegenstellt. Der Film bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Auftragsmord und Selbstkontrolle, zwischen Routine und Kontrollverlust. Der Titel klingt einfach, fast generisch, doch dahinter verbirgt sich ein Protagonist, der sich präzise durch eine Welt tastet, die keinen Platz für Fehler lässt. Actionthriller dieser Art fordern keine moralischen Urteile, sondern stellen eine Frage nach dem System, in dem sie sich bewegen.

| Dauer: | 118 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2023 |
| Kategorien: | Action, Thriller |
| Regie: | David Fincher |
| Produzenten: | Peter Mavromates, William Doyle, Ceán Chaffin |
| Hauptdarsteller: | Michael Fassbender, Tilda Swinton, Charles Parnell |
| Nebendarsteller: | Arliss Howard, Kerry O'Malley, Sophie Charlotte, Emiliano Pernia |
| Studio: | Netflix |
Ein namenloser Killer wartet in Paris, scheitert, flieht und beginnt, die Folgen seines Fehlers zu beseitigen. Die Suche nach den Angreifern seiner Freundin führt ihn über mehrere Stationen hinweg in direkte Konfrontationen. Ob in New Orleans, Florida oder New York – jede Begegnung zwingt ihn zur Anpassung. In Chicago kommt es zum Kontakt mit dem Auftraggeber, der ihn nie persönlich kannte. Am Ende kehrt er zurück zu dem Menschen, den er fast verloren hätte. Wie lange bleibt eine Figur wie diese in Bewegung?
Besetzung, Regie und Drehorte
David Finchers Action-Thriller „Der Killer“ erschien 2023 und basiert auf der Comicvorlage von Matz und Luc Jacamon. Michael Fassbender übernimmt die Hauptrolle eines präzise arbeitenden Auftragskillers. In weiteren Rollen spielen Tilda Swinton als Expertin, Charles Parnell als Hodges, Arliss Howard als Claybourne sowie Kerry O’Malley als Dolores. Sophie Charlotte verkörpert Magdala, Monique Ganderton die Domina und Sala Baker den Brutalen. Das Drehbuch stammt von Andrew Kevin Walker. Ceán Chaffin produzierte, während Erik Messerschmidt die Kamera übernahm. Den Schnitt verantwortete Kirk Baxter, die Musik stammt von Trent Reznor und Atticus Ross.
Die Dreharbeiten begannen im November 2021 in Paris und endeten im März 2022. Premiere feierte der Film am 3. September 2023 im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Danach lief er unter anderem beim Festival in San Sebastián sowie auf Festivals in Chicago, New York, London und Busan. Der deutsche Kinostart erfolgte am 26. Oktober 2023. Einen Tag später lief der Film in den US-Kinos. Seit dem 10. November 2023 ist „Der Killer“ auch bei Netflix verfügbar. Die Altersfreigabe liegt bei FSK 16. Die Laufzeit beträgt 119 Minuten.
Mehrere Festivalteilnahmen und Nominierungen begleiteten den Film. Er erhielt eine lobende Erwähnung für den Soundtrack in Venedig und kam auf die Oscar-Shortlist für den besten Ton. Weitere Nominierungen folgten bei den Art Directors Guild Awards, den Golden Reel Awards und den Hollywood Music in Media Awards. Tilda Swinton wurde beim London Critics’ Circle Film Awards gewürdigt. Michael Fassbender erhielt einen Preis bei den Critics’ Choice Super Awards. Auch in St. Louis, San Diego und bei der Set Decorators Society of America wurde „Der Killer“ berücksichtigt. Das weltweite Einspielergebnis betrug rund 452.000 US-Dollar.
Handlung & Inhalt vom Film „Der Killer“
In einem Pariser Hotel wartet ein Auftragskiller geduldig auf sein Ziel. Er verbringt die Zeit mit Yoga, Musik von The Smiths und Anrufen mit seinem Anwalt und früheren Professor Hodges. Die Zielperson trifft ein, begleitet von einer Domina. Der Killer schießt, verfehlt aber sein Ziel und trifft versehentlich die Begleiterin. Er flieht sofort, beseitigt die Spuren und verlässt die Stadt. Die Situation gerät außer Kontrolle. Der misslungene Auftrag zieht schwerwiegende Konsequenzen nach sich, die ihn bald persönlich betreffen. Sein nächstes Ziel liegt in der Dominikanischen Republik.
Zurück in seinem Versteck trifft ihn der nächste Schock: Einbruch, Verwüstung und seine Freundin Magdala im Krankenhaus. Sie überlebte nur knapp einen Überfall durch zwei Killer. Ihr Bruder Marcus berichtet, dass sie gefoltert wurde, jedoch fliehen konnte. Der Killer will sich rächen. Er findet den Taxifahrer Leo, der die Angreifer gefahren hat. Leo beschreibt zwei Personen: einen stämmigen Mann mit Hinken und eine auffällige Frau. Nachdem Leo keine weiteren Informationen liefern will, erschießt der Killer ihn. Er bereitet sich darauf vor, die beiden Söldner gezielt aufzuspüren.
Rückkehr zur Ruhe
Sein nächster Stopp ist New Orleans. Dort sucht er Hodges auf, den Mittelsmann zwischen Auftraggeber und Killerwelt. Er dringt verkleidet in das Büro ein, zwingt Hodges und dessen Assistentin Dolores zur Kooperation und zerstört deren Technik. Hodges verweigert die Herausgabe der Namen. Der Killer foltert ihn, doch Hodges stirbt. Dolores bietet dem Killer Informationen an, bittet aber um einen „unauffälligen Tod“, damit ihre Kinder Geld erhalten. Der Killer erfüllt ihr den Wunsch, stellt ihren Tod wie einen Unfall dar und bringt Hodges’ Leiche heimlich fort.
Danach reist der Killer nach Florida. Dort erkennt er den Brute, der an seinem Hinken zu erkennen ist. In der Nacht bricht er in dessen Haus ein, wird jedoch überrumpelt. Ein brutaler Kampf beginnt. Der Brute erkennt seinen Gegner, doch der Killer gewinnt und erschießt ihn. Anschließend lässt er das Haus mit einem Molotowcocktail in Flammen aufgehen. Anschließend führt ihn seine Spur nach New York. Dort trifft er auf die zweite Attentäterin, genannt die Expertin, in einem Restaurant. Sie erkennt die Lage, bleibt ruhig und trinkt mit ihm Whiskey.
Beim Verlassen des Lokals gehen beide in einen nahen Park. Die Expertin rutscht auf einer vereisten Stufe aus und bittet um Hilfe. Der Killer erkennt jedoch ihre Absicht, zieht die Waffe und erschießt sie. Sie hatte ein Messer versteckt. Danach fliegt er nach Chicago. Dort stellt er dem reichen Unternehmer Claybourne eine letzte Frage. Der behauptet, nichts von der Gewalt geahnt zu haben. Der Killer glaubt ihm und lässt ihn am Leben, warnt jedoch vor weiteren Schritten gegen ihn. Zurück in der Dominikanischen Republik besucht er Magdala. Sie erholt sich, und er bleibt an ihrer Seite.
Fazit & Kritiken zum Film „Der Killer“
David Fincher inszeniert „Der Killer“ mit kontrollierter Präzision, doch genau diese Beherrschtheit wirft Fragen auf. Die stringente Struktur des Films erzeugt zwar einen klaren Rhythmus, lässt aber wenig Spielraum für emotionale Nuancen. Die Hauptfigur agiert konsequent aus dem Off, was Distanz schafft, aber auch Spannung dämpft. Besonders auffällig wirkt die kühle Repetition einzelner Abläufe, die zwar das berufliche Kalkül des Killers unterstreichen, dramaturgisch aber kaum Entwicklung zulassen.
Einzelne Szenen setzen dennoch Akzente. Der Kampf mit dem Brute in Florida entwickelt physische Wucht und unmittelbare Präsenz. In New York gelingt dem Film für einen Moment, Ambivalenz zu erzeugen: Die Konfrontation mit der Expertin verläuft nicht erwartbar, was ihr ein echtes Gewicht gibt. Die Gewalt bleibt dabei kontrolliert, doch nie sinnfrei. Dennoch verpasst der Film es, die psychologische Dimension seiner Figur weiter auszuleuchten. Die ruhige Tonlage verfestigt diesen Eindruck zusätzlich.
Finchers Stil bleibt kühl, funktional und durchdacht, vielleicht zu sehr. Trotz gelungener Szenen wirkt der Film über weite Strecken mechanisch. Einige Entscheidungen wirken mutlos, andere wiederum überzeichnet. Wer emotionale Dichte sucht, findet hier eher technische Strenge.