Eden

Was geschieht, wenn Menschen, die der Zivilisation entfliehen, die Zivilisation selbst mitbringen? „Eden“ stellt diese Frage nicht als philosophisches Gedankenspiel, sondern als historischen Befund. Die Galápagos-Affäre von 1934 ist ein Fall, der noch heute ungeklärt bleibt und gerade deshalb filmisch reizt: Mord, Verrat und moralischer Verfall unter tropischer Sonne, fern jeder Ordnung.

Eden
Dauer: 130 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2025
Kategorien: Thriller
Regie: Ron Howard
Produzenten: Brian Grazer, Ron Howard, Karen Lunder, Patrick Newall, Stuart Ford
Hauptdarsteller: Jude Law, Ana de Armas, Daniel Brühl
Nebendarsteller: Sydney Sweeney, Vanessa Kirby, Felix Kammerer, Toby Wallace
Studio: Imagine Entertainment, AGC Studios, Library Pictures International

Ron Howard, der seit Jahrzehnten zwischen ernstem Drama und zugänglichem Unterhaltungskino navigiert, widmet sich diesem Stoff mit persönlicher Begeisterung. Er besuchte die Galapagosinseln selbst, bevor er das Projekt entwickelte. Ob diese Nähe zum Stoff dem Film nutzt oder ihn in eine allzu ordnende Haltung drängt – das ist eine Frage, die der Film selbst aufwirft.

Besetzung, Regie und Drehorte

Eden“ ist ein US-amerikanischer Survival-Thriller aus dem Jahr 2024, produziert von Ron Howard und Brian Grazer über Imagine Entertainment. Das Drehbuch stammt von Noah Pink, der bereits kurz vor Beginn der COVID-19-Pandemie mit der Arbeit begann. Die Kamera führte Mathias Herndl, den Schnitt verantwortete Matt Villa, und die Filmmusik komponierte Hans Zimmer, für den es die zehnte Zusammenarbeit mit Howard darstellte.

Die Besetzung vereint ein europäisch geprägtes Ensemble: Jude Law spielt den Philosophen Dr. Friedrich Ritter, Vanessa Kirby seine Lebensgefährtin Dore Strauch. Daniel Brühl und Sydney Sweeney verkörpern das Ehepaar Wittmer, während Ana de Armas die selbsternannte Baroness Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet gibt. Felix Kammerer, Toby Wallace, Richard Roxburgh und Ignacio Gasparini übernehmen tragende Nebenrollen.

Die Dreharbeiten erfolgten vom 27. November 2023 bis 13. Februar 2024 an der australischen Gold Coast in Queensland, da Howard den Film selbst finanzierte und das Budget begrenzt war. Aufnahmen auf den echten Galapagosinseln übernahm lediglich eine Second Unit. Die Weltpremiere fand am 7. September 2024 beim Toronto International Film Festival statt. In Deutschland startete der Film am 3. April 2025 über Leonine.

Handlung & Inhalt vom Film „Eden“

Im Jahr 1929 verlassen der Berliner Arzt Dr. Friedrich Ritter und seine Lebensgefährtin Dore Strauch Deutschland. Die Weltwirtschaftskrise hat ihre Spuren hinterlassen, doch ihr Antrieb ist tiefergehend. Friedrich möchte auf der unbewohnten Pazifikinsel Floreana im Galapagos-Archipel ein philosophisches Manifest verfassen. Dore, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, hofft, ihre Krankheit durch Meditation zu heilen. Die Insel ist karg, das Wasser spärlich, das Land schwer zu bewirtschaften. Dennoch bauen sie sich eine rudimentäre Existenz auf. Friedrichs Reiseberichte, die er an die deutsche Presse schickt, machen die Siedlung bekannt.

Drei Jahre später trifft ein zweites deutsches Paar ein. Der Beamte Heinz Wittmer reist mit seiner schwangeren Frau Margret und seinem an Tuberkulose erkrankten Sohn Harry an. Friedrich und Dore reagieren kühl auf die Neuankömmlinge und weisen sie absichtlich an eine unfruchtbare Wasserquelle. Die Wittmers erweisen sich jedoch als tüchtige Siedler. Bis zum Frühjahr 1933 errichten sie ein Haus samt Garten. Die Koexistenz bleibt angespannt, entwickelt sich aber langsam. Dann verändert eine dritte Ankunft das fragile Gefüge grundlegend.

Rivalität, Intrige und der Weg in die Gewalt

Die selbsternannte Baroness Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet erscheint mit ihren zwei Liebhabern Rudy und Robert sowie einem ecuadorianischen Diener auf Floreana. Sie plant, am Strand ein Luxushotel namens „Hacienda Paradiso“ zu errichten. Da ihre Vorräte knapp werden, schlägt sie ihr Lager direkt neben den Wittmers auf. Die Baroness beginnt, die Siedler gegeneinander auszuspielen. Während Margret allein ihr Kind zur Welt bringt und dabei einen Angriff verwilderter Hunde abwehrt, lässt die Baroness die Vorräte der Wittmers stehlen. Friedrich leiht sich daraufhin ein Gewehr von Heinz. Die Spannungen zwischen allen drei Parteien nehmen zu.

Rudys Geduld mit der Baroness endet. Er möchte die Insel verlassen, doch Eloise verlangt einen letzten Gefallen. In der Nacht treibt Rudy Dores Esel in den Garten der Wittmers, wo Heinz das Tier versehentlich erschießt. Friedrich und Heinz erkennen die Manipulation. Sie verbünden sich und konfrontieren die Baroness gemeinsam mit Rudy. Es kommt zur Auseinandersetzung, bei der Heinz Robert in Notwehr ersticht und Friedrich die Baroness erschießt. Die Leichen werfen sie ins Meer. Gegenüber ihren Frauen behaupten sie, die Baroness habe die Insel verlassen.

Margret durchschaut die Geschichte bald und warnt Heinz, Friedrich könnte ihn belasten. Tatsächlich informiert Friedrich den Gouverneur der Inselgruppe schriftlich, Heinz sei für den Tod der Baroness verantwortlich. Bevor Beamte eintreffen, vergiftet Dore ihren Mann mit verdorbenem Fleisch. Friedrich hatte sie körperlich missbraucht und sich von seinen eigenen Werten entfernt. Der Gouverneur trifft ein und befragt die Verbliebenen. Sowohl Dore als auch die Wittmers beschuldigen Heinz, doch die Familie kann sich erfolgreich verteidigen. Ohne Aufklärung verlässt der Gouverneur die Insel. Dore kehrt nach Deutschland zurück. Rudys Leiche wird später aufgefunden, nachdem er beim Versuch, die Insel Isabela zu erreichen, auf See ums Leben kam. Die Wittmers bleiben auf Floreana.

Filmkritik und Fazit zum Film „Eden“

Eden“ setzt auf ein Ensemble, das seine historischen Vorlagen ernst nimmt. Jude Law spielt Friedrich Ritter als Mann, dessen intellektuelle Selbstgewissheit langsam in Brutalität kippt, und verleiht dieser Entwicklung psychologische Plausibilität. Vanessa Kirby hingegen verleiht Dore Strauch eine stille Entschlossenheit, die den Figuren einen emotionalen Kern gibt. Ana de Armas wählt für die Baroness einen deutlich überspitzten Ansatz, der das Ensemblespiel zuweilen aus dem Gleichgewicht bringt. Mathias Herndls Kamera hält die Landschaft in erdigen Tönen, was der Isolation Gewicht verleiht. Noah Pinks Drehbuch füllt die historischen Leerstellen mit einer klaren Schuldigen- und Opferlogik, die dramaturgisch funktioniert, aber die Ambiguität der realen Ereignisse zugunsten narrativer Eindeutigkeit opfert.

Ron Howards Inszenierung ist routiniert, selten eigenwillig. Einer der stärkeren Momente entsteht in der Szene, als ein Regierungsbeamter die Siedler filmt: Der Film wechselt kurz ins Schwarz-Weiß und zitiert das frühe ethnographische Kino, was eine reflexive Ebene andeutet, die der Film ansonsten nicht verfolgt. Hans Zimmers Musik unterstreicht die Bedrohung verlässlich, verzichtet jedoch auf subtilere Zwischentöne, die den Figuren mehr Raum geben würden. Das Tempo ist ungleichmäßig: Die erste Hälfte entfaltet die Dynamik zwischen den Siedlern mit Geduld, während die zweite deutlich rasanter und mitunter flüchtiger wirkt. Als Survival-Thriller funktioniert der Film, als moralisches Drama bleibt er hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Wer einen handwerklich soliden Thriller mit historischer Substanz sucht, wird mit diesem Film eine kurzweilige, phasenweise packende Lektüre finden. Die Geschichte selbst – ein Mikrokosmos menschlicher Gewalt unter Extrembedingungen – trägt den Film über seine Schwächen hinweg. Freunde des Genres kommen auf ihre Kosten, auch wenn der Film die Tiefe, die sein Stoff bereithält, nicht vollständig ausschöpft.

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