Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten

Mitte der 1950er Jahre bedeutete Emigration noch Abschied für immer, ein endgültiger Bruch mit allem Vertrauten. Wer ein Schiff nach Amerika bestieg, wusste: Die Heimat würde zum Sehnsuchtsort werden, unerreichbar fern. „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“ erzählt von dieser existenziellen Zerrissenheit zwischen alter und neuer Welt, zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und der Unmöglichkeit, je wieder ganz dort anzukommen, wo man herkommt. John Crowley inszeniert diese Geschichte einer jungen Frau, die zwei Leben führen könnte, mit einer Behutsamkeit, die der emotionalen Wucht des Themas gerecht wird.

Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten
Dauer: 111 Min.
FSK: PG-13 (US)
Jahr: 2015
Kategorien: Drama, Romantik
Regie: John Crowley
Produzenten: Amanda Posey, Finola Dwyer
Hauptdarsteller: Saoirse Ronan, Domhnall Gleeson, Emory Cohen
Nebendarsteller: Jim Broadbent, Julie Walters, Jessica Paré, Eve Macklin
Studio: Wildgaze Films, Parallel Film Productions, BBC Film, Bun and Ham Productions, Finola Dwyer Productions, Item 7, Ingenious Media, Fís Éireann/Screen Ireland

Das Drama basiert auf Colm Tóibíns Roman und wirft eine Frage auf, die zeitlos ist: Kann man eine Heimat verlassen, ohne ein Stück von sich selbst zurückzulassen? Eilis Lacey muss sich entscheiden, zwischen Brooklyn und Enniscorthy, zwischen Tony und Jim, zwischen der Frau, die sie war, und der, die sie werden könnte. Ihr Dilemma ist zugleich persönlich und universell. Was macht einen Ort zur Heimat – die Menschen, denen wir dort begegnen, oder die Erinnerungen, die uns dort formen?

Besetzung, Regie und Drehorte

Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“ ist eine britisch-irisch-kanadische Koproduktion unter der Regie des Iren John Crowley, der bereits mit „Boy A“ überzeugte. Nick Hornby, bekannt für seine sensiblen Drehbücher zu „An Education“ und „Der große Trip – Wild“, adaptierte Colm Tóibíns Roman. Die Produktion lag in den Händen von Finola Dwyer und Amanda Posey, während Yves Bélanger die Kamera führte und Michael Brook die zurückhaltende Filmmusik komponierte. Die Dreharbeiten begannen im April 2014 mit drei Wochen in Irland, gefolgt von vier Wochen in Montreal, das für Brooklyn stand. Lediglich zwei Tage wurden tatsächlich in Brooklyn gedreht, darunter Szenen am Strand von Coney Island.

In der Hauptrolle brilliert Saoirse Ronan als Eilis Lacey, unterstützt von Emory Cohen als Tony Fiorello und Domhnall Gleeson als Jim Farrell. Julie Walters verkörpert die strenge Pensionswirtin Madge Kehoe, Jim Broadbent gibt den hilfsbereiten Father Flood. Weitere Rollen übernahmen Bríd Brennan als Miss Kelly, Jane Brennan als Mrs. Lacey, Fiona Glascott als Rose Lacey und Jessica Paré als Miss Fortini. Die Besetzung vereint etablierte Charakterdarsteller mit aufstrebenden Talenten zu einem stimmigen Ensemble.

Der Film feierte seine Weltpremiere am 26. Januar 2015 auf dem Sundance Film Festival und kam am 21. Januar 2016 in die deutschen Kinos. Mit einer Laufzeit von 112 Minuten erhielt das Drama eine FSK-Freigabe ab null Jahren. Bei den British Academy Film Awards 2016 gewann es den Preis für den Besten britischen Film und war für drei Oscars nominiert, darunter Beste Hauptdarstellerin für Saoirse Ronan. Mehr als 120 Filmkritiker führten „Brooklyn“ auf ihren Top-10-Listen 2015, die BBC platzierte ihn 2016 auf Rang 48 der besten Filme des 21. Jahrhunderts.

Handlung & Inhalt vom Film „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“

Die junge Eilis Lacey lebt 1951 im irischen Städtchen Enniscorthy im County Wexford bei ihrer verwitweten Mutter und ihrer Schwester Rose. Sie arbeitet am Wochenende als Aushilfe in einem kleinen Laden. Das Leben in der Kleinstadt bietet ihr keine Perspektive. Rose organisiert mit Hilfe von Father Flood, einem irischen Priester in Brooklyn, die Auswanderung ihrer jüngeren Schwester nach New York. Die Überfahrt wird zur Tortur. Ihre Kajütennachbarin Georgina nimmt sich ihrer an.

In Brooklyn bezieht Eilis ein Zimmer im Boardinghouse von Mrs. Kehoe und arbeitet als Verkäuferin in einem Kaufhaus. Sie leidet unter schwerem Heimweh. Father Flood schreibt sie in einen Buchhaltungskurs ein. Bei einem irischen Tanzabend lernt sie Tony Fiorello kennen, einen Klempner italienischer Abstammung. Mit der Beziehung zu Tony fühlt sich Eilis allmählich heimischer in Brooklyn.

Zwischen zwei Heimaten

Unvermittelt erreicht Eilis die Nachricht vom Tod ihrer Schwester Rose. Nach einem verzweifelten Telefongespräch mit ihrer Mutter beschließt sie, nach Irland zurückzukehren. Tony zeigt ihr ein Grundstück auf Long Island, auf dem er mit seinen Brüdern fünf Häuser bauen will. Drei sollen verkauft werden, eines für seine Eltern und eines für ihn und Eilis bestimmt sein. Er fürchtet, sie zu verlieren. Tony bittet Eilis, ihn vor der Heimreise zu heiraten. Sie willigt zögernd ein. Die beiden heiraten heimlich auf dem Standesamt. Dort begegnen sie zufällig einem irischen Paar mit Verwandten in Enniscorthy.

Zurück in Irland findet Eilis nicht in ihr altes Leben zurück, sondern in ein neues. Sie übernimmt vorübergehend die Buchhalterposition ihrer verstorbenen Schwester, die sich als dauerhaft erweisen könnte. Ihre Freundin Nancy, die nichts von der Ehe weiß, verkuppelt sie mit Jim Farrell, einem wohlhabenden Junggesellen. Eilis verlängert ihren Aufenthalt, um an Nancys Hochzeit teilzunehmen. Sie vermeidet es, Tonys Briefe zu lesen. Jim deutet an, dass er ihr einen Heiratsantrag machen möchte. Eilis empfindet etwas für Jim, bleibt aber unentschlossen. Sie scheint sich von ihrem Leben in New York zu distanzieren.

Miss Kelly lässt Eilis zu sich rufen und deutet an, von ihrer Ehe erfahren zu haben. Eilis hat die Schikanen satt. Sie nennt ihren vollen verheirateten Namen und macht Miss Kelly damit machtlos. Unter Tränen eröffnet sie ihrer Mutter die Wahrheit und kehrt nach Brooklyn zurück. Sie hinterlässt Jim einen Abschiedsbrief. Auf der Überfahrt hilft sie einer jungen Irin. In Brooklyn vereint sie sich mit Tony.

Filmkritik und Fazit zum Film „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“

Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“ lebt von Saoirse Ronans Darstellung einer Frau, die innerlich zerrissen ist und ihre Identität sucht. Die Schauspielerin macht diese fundamentale Zerrissenheit nicht nur nachvollziehbar, sondern körperlich spürbar. Anders als in großen Emigrantenepen konzentriert sich John Crowley auf das intime Drama einer einzelnen Person. Ronan lässt ihre Figur von der schüchternen grauen Maus zur selbstbewussten Frau reifen, wobei sie stets ein Geheimnis in ihren ausdrucksstarken Augen bewahrt. Emory Cohen verleiht Tony eine unschuldige Ehrlichkeit, die an zeitgenössische Ikonen wie James Dean erinnert. Domhnall Gleeson gibt Jim Farrell eine sanfte Aura von Verlässlichkeit.

Nick Hornby gelingt es, die an sich simple Wendung durch muntere Dialoge und amüsante Details zu veredeln. Die Szene, in der Eilis das Spaghettiessen übt, bevor sie Tonys Familie trifft, zeigt diese Leichtigkeit. Die von Vater Flood organisierte Weihnachtsfeier in einer Suppenküche berührt tief, wenn einsame alte Iren mit gälischen Liedern ihr Heimweh zelebrieren. Die Seekrankheit auf dem Ozeandampfer macht spürbar, wie ungeheuerlich der Entschluss zur Auswanderung für die schüchterne Irin war. Julie Walters verkörpert die Pensionswirtin Mrs. Kehoe als herzensgute Schreckschraube mit entwaffnender Ehrlichkeit. Die meisten Nebenfiguren wirken stimmig und wahrhaftig. Einzig Miss Kelly erscheint als Karikatur provinzieller Enge.

Crowley hält fast durchweg die Balance zwischen Sentiment und Wahrhaftigkeit. Der Film zeigt die Paradoxien der Sehnsucht: Erst die Unzufriedenheit mit Irland führte zum Neuanfang in Amerika. Große politische Konflikte der frühen 1950er Jahre bleiben außen vor. Das Werk konzentriert sich ganz auf seine konkrete Geschichte. Wer ein melancholisches, intelligentes Gefühlskino mit herausragenden Darstellern sucht, findet hier einen Film von besonderer Kraft.

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