Cinderella

Das Märchen vom Aschenputtel kennt jeder, seit den Gebrüdern Grimm wurde es unzählige Male adaptiert. Kenneth Branaghs „Cinderella“ aus dem Jahr 2015 folgt dabei einem ungewöhnlichen Weg: Der Regisseur verzichtet auf postmoderne Ironie, dunkle Neuinterpretationen oder feministische Aktualisierungen. Stattdessen inszeniert er das Märchen als opulentes, klassisches Spektakel. Die Realverfilmung orientiert sich eng am Disney-Zeichentrickfilm von 1950 und setzt auf zeitlose Märchenromantik. Eine Entscheidung, die polarisiert.

Cinderella
Dauer: 101 Min.
FSK: PG (US)
Jahr: 2015
Kategorien: Fantasy, Romantik
Regie: Kenneth Branagh
Produzenten: Simon Kinberg, David Barron, Allison Shearmur
Hauptdarsteller: Lily James, Cate Blanchett, Richard Madden
Nebendarsteller: Stellan Skarsgård, Holliday Grainger, Sophie McShera, Derek Jacobi
Studio: Walt Disney Pictures, Genre Films, Beagle Pug Films, Allison Shearmur Productions

Disney suchte nach dem Erfolg von Tim Burtons „Alice im Wunderland“ neue Wege, klassische Märchen zu reinterpretieren. Die Frage war: Kann eine werkgetreue Adaption im modernen Blockbusterkino bestehen? Branagh beantwortet sie mit einer Verbeugung vor der Tradition, doch er ergänzt sie durch moderne Produktionsmittel und CGI-Effekte. Dabei bleibt der Film der Struktur der Vorlage treu, erweitert aber Figurenmotivationen und Hintergründe. Kann dieser Spagat zwischen Nostalgie und Gegenwart gelingen?

Besetzung, Regie und Drehorte

Cinderella“ wurde von Kenneth Branagh inszeniert, nachdem Mark Romanek das Projekt wegen kreativer Differenzen verließ. Das Drehbuch stammt von Chris Weitz, der die Vorlage von Aline Brosh McKenna überarbeitete. Die Produktion übernahmen David Barron, Simon Kinberg und Allison Shearmur. Für die Kameraarbeit zeichnete Haris Zambarloukos verantwortlich, die Musik komponierte Patrick Doyle. Die Dreharbeiten fanden von September bis Dezember 2013 in den Pinewood Studios sowie an historischen Schauplätzen wie Blenheim Palace, Windsor Castle und dem Old Royal Naval College statt.

In den Hauptrollen sind Lily James als Ella, Richard Madden als Prinz Kit und Cate Blanchett als Lady Tremaine zu sehen. Die Stiefschwestern Anastasia und Drisella werden von Holliday Grainger und Sophie McShera verkörpert. Helena Bonham Carter spielt die gute Fee, während Stellan Skarsgård den Großherzog gibt. Weitere Rollen übernahmen Derek Jacobi als König, Ben Chaplin und Hayley Atwell als Ellas Eltern sowie Nonso Anozie als neu geschaffene Figur des Hauptmanns.

Der Film feierte am 13. Februar 2015 Premiere bei der Berlinale und startete am 12. März in Deutschland. Er erhielt 2016 eine Oscar-Nominierung für das Kostümdesign und gewann den Saturn Award als bester Fantasyfilm. Die Laufzeit beträgt 105 Minuten, die Altersfreigabe liegt bei FSK 0. Als Vorlage für das computeranimierte Schloss diente der Dresdner Zwinger, ein Detail, das die Verbindung europäischer Märchentradition mit amerikanischer Filmkunst symbolisiert.

Handlung & Inhalt vom Film „Cinderella“

Die junge Ella wächst in einem großbürgerlichen Haushalt auf, ihr Vater ist ein erfolgreicher Kaufmann. Als ihre geliebte Mutter stirbt, versucht Ella tapfer zu sein und ihrem Vater Halt zu geben. Dieser heiratet erneut, um Ella nicht allein aufwachsen zu lassen. Die neue Frau, Lady Tremaine, bringt ihre beiden Töchter Anastasia und Drisella mit ins Haus. Ella bemüht sich, die drei willkommen zu heißen und hofft auf eine neue Familie. Doch als der Vater während einer Geschäftsreise unerwartet stirbt, ändert sich alles schlagartig. Lady Tremaine zeigt ihr wahres Gesicht.

Ella wird zur Dienstmagd degradiert, muss im Dachzimmer schlafen und alle Hausarbeiten erledigen. Die Stiefmutter und ihre Töchter verspotten sie als „Cinderella“, weil sie vom Aschestaub der Kamine schmutzig ist. Trotz der Demütigungen bewahrt Ella ihre Güte und Hoffnung. Eines Tages reitet sie in den Wald und rettet einen Hirsch vor der königlichen Jagdgesellschaft. Dabei trifft sie auf einen charmanten jungen Mann namens Kit, der sich als Lehrling des Palastes ausgibt. Die beiden verbringen Zeit miteinander und fühlen eine tiefe Verbindung. Ella ahnt nicht, dass Kit in Wahrheit der Prinz ist.

Feenstaub und Glasschuh – die Nacht, die alles verändert

Der König liegt im Sterben und wünscht sich, seinen Sohn verheiratet zu sehen. Er organisiert einen großen Ball, zu dem alle unverheirateten Frauen des Königreichs eingeladen werden. Der Großherzog plant, diese Gelegenheit zu nutzen, um politische Allianzen zu schmieden und seine Macht auszubauen. Als die Einladung das Haus der Tremaines erreicht, möchte Ella unbedingt teilnehmen, um Kit wiederzusehen. Die Stiefmutter verbietet es ihr und zerreißt Ellas Kleid. Verzweifelt flieht Ella in den Garten, wo ihr die gute Fee erscheint. Mit Magie verwandelt sie einen Kürbis in eine Kutsche, Mäuse in Pferde und gibt Ella ein prächtiges Ballkleid samt gläsernen Schuhen. Der Zauber hält nur bis Mitternacht.

Auf dem Ball erkennt Prinz Kit sofort die mysteriöse Dame im blauen Kleid. Er fordert sie zum Tanz auf und ignoriert alle anderen Gäste, sehr zum Missfallen des Großherzogs. Ella und Kit verbringen den Abend in einem geheimen Garten, wo sie sich über ihre Träume und Ängste austauschen. Als die Uhr Mitternacht schlägt, muss Ella fliehen. Auf der Treppe verliert sie einen ihrer gläsernen Schuhe, den Kit aufhebt. Der neue König schwört, die Frau zu finden, der der Schuh passt. Der Großherzog sieht seine Pläne gefährdet.

Verrat, Vergeltung und ein perfekter Sitz – das Ende aller Intrigen

Lady Tremaine findet den zweiten gläsernen Schuh in Ellas Zimmer und zerstört ihn. Sie begreift, dass Ella das geheimnisvolle Mädchen vom Ball war. Die Stiefmutter bietet dem Großherzog einen Pakt an: Sie hält Ella versteckt und erhält dafür den Titel einer Baronin, ihre Töchter sollen vorteilhaft verheiratet werden. Der Großherzog willigt ein. Als die königliche Garde das Anwesen erreicht, sollen Anastasia und Drisella den Schuh anprobieren. Beide scheitern kläglich. Der Hauptmann, ein loyaler Diener des Königs, hört plötzlich Gesang aus dem Dachzimmer.

Prinz Kit hatte sich als einfacher Soldat verkleidet, um die Suche persönlich zu begleiten. Er lässt Ella aus ihrem Gefängnis befreien und bittet sie, den Schuh anzuprobieren. Der Schuh passt perfekt. Lady Tremaine und der Großherzog sind entlarvt, ihre Intrigen gescheitert. Ella vergibt ihrer Stiefmutter, verlässt jedoch das Haus für immer. Sie zieht mit Kit ins Schloss, wo sie kurz darauf heiraten. Der Großherzog und Lady Tremaine samt ihren Töchtern werden des Landes verwiesen. Ella und Kit werden zu einem gerechten und freundlichen Königspaar, das sein Reich mit Güte regiert.

Filmkritik und Fazit zum Film „Cinderella“

Kenneth Branagh inszeniert „Cinderella“ als visuelles Fest, das auf opulente Kostüme und prachtvolle Kulissen setzt. Die Kameraarbeit von Haris Zambarloukos fängt die Märchenwelt in warmen Farben ein, während Patrick Doyles Musik klassisch-romantische Akzente setzt. Cate Blanchett liefert eine nuancierte Darstellung der Stiefmutter, die ihre Bitterkeit aus erlittenem Verlust speist. Lily James verkörpert Ella mit authentischer Naivität, ihre Chemie mit Richard Madden funktioniert. Allerdings bleibt der Prinz blass, seine Figur kaum mehr als ein höflicher Märchenprinz. Helena Bonham Carter spielt die gute Fee erstaunlich zurückhaltend.

Die Inszenierung bleibt der Zeichentrickvorlage treu, fast zu treu. Branagh verzichtet auf überraschende Wendungen, moderne Brechungen oder subversive Elemente. Der Film ergänzt die Handlung um Hintergrundmotivationen, streckt die Laufzeit auf 105 Minuten, doch entsteht dadurch stellenweise Leerlauf. Die Ballszene im geheimen Garten überzeugt durch echte Märchenmagie, anderswo wirkt die strikte Orientierung am Original etwas altbacken. Die CGI-Effekte integrieren sich meist dezent, nur die Kürbis-Transformation fällt übertrieben aus. Die Stiefschwestern dienen rein als komische Randfiguren ohne Tiefe.

Branaghs Film ist eine gelungene Hommage an die Märchentradition und funktioniert als nostalgisches Spektakel. Wer eine radikale Neuinterpretation erwartet, wird enttäuscht. Wer sich auf klassisches Erzählkino einlässt, erhält einen technisch ausgereiften, emotional ehrlichen Märchenfilm. Die Stärke liegt in der handwerklichen Qualität und der Überzeugung, mit der Branagh an die zeitlose Kraft der Geschichte glaubt. Für Liebhaber klassischer Märchenadaptionen ist der Film absolut sehenswert.

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