Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse

Die Magie hat ihren Preis. „Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“ kehrt in eine Welt zurück, die seit mehr als zwei Jahrzehnten Millionen von Menschen fasziniert – und tut dies mit einer Ernsthaftigkeit, die dem Franchise nicht immer eigen war. Das ist eine Leistung. Denn der Film entstand unter Bedingungen, die einen anderen hätten zerreißen können: Pandemie, Besetzungswechsel, öffentliche Kontroversen.

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse
Dauer: 142 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2022
Kategorien: Fantasy
Regie: David Yates
Produzenten: J.K. Rowling, Steve Kloves, David Heyman, Lionel Wigram, Tim Lewis
Hauptdarsteller: Eddie Redmayne, Jude Law, Mads Mikkelsen
Nebendarsteller: Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol, Callum Turner
Studio: Warner Bros. Pictures, Heyday Films

Mads Mikkelsen übernimmt die Rolle eines Mannes, den sein Vorgänger mit schwarzem Eyeliner spielte. George Richmond führt die Kamera durch Bhutan, Berlin und die vertrauten Hallen von Hogwarts. James Newton Howard komponiert – wie schon zuvor. Die Kontinuität ist gewahrt, das Fundament steht. Doch was hat dieser dritte Teil der Spin-off-Reihe wirklich zu erzählen, und reicht das aus?

Besetzung, Regie und Drehorte

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“ ist ein britisch-US-amerikanischer Fantasyfilm, der am 15. April 2022 in den USA startete, in Deutschland bereits eine Woche früher. Regie führt David Yates, der seit „Der Orden des Phönix“ jeden Film aus dem Hogwarts-Universum verantwortet. Das Drehbuch schrieben J. K. Rowling und Steve Kloves gemeinsam. George Richmond übernahm die Kamera, Mark Day den Schnitt. Produziert wurde der Film von David Heyman, Rowling, Kloves, Lionel Wigram und Tim Lewis.

Eddie Redmayne kehrt als Magizoologe Newt Scamander zurück. Jude Law verkörpert erneut den jüngeren Albus Dumbledore. Die Rolle des Schurken Gellert Grindelwald übernahm nach dem Abgang von Johnny Depp der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen. Ezra Miller spielt abermals Credence Barebone. Dan Fogler ist als Muggel-Bäcker Jacob Kowalski zu sehen, Callum Turner als Theseus Scamander. Oliver Masucci verkörpert den deutschen Zaubereiminister Anton Vogel, Peter Simonischek hat eine Nebenrolle als Gefängniswärter.

Der Film hat eine Laufzeit von 143 Minuten und ist ab FSK 12 freigegeben. Das Szenenbild orientierte sich am Hamburger Chilehaus, das als Vorlage für das deutsche Zaubereiministerium diente. Stuart Craig zeichnete wie bei allen Vorgängerfilmen für das Production Design verantwortlich. James Newton Howard komponierte den Soundtrack, der 39 Musikstücke umfasst. Das Lied „Heaven“ qualifizierte sich für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Song.

Handlung & Inhalt vom Film „Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“

In den Dschungeln Bhutans beobachtet der Magizoologe Newt Scamander in den 1930er Jahren die Geburt eines Qilin, eines mythischen Wesens, das die Reinheit des Herzens erkennen kann. Während er das Tier fasziniert studiert, greifen plötzlich Anhänger des dunklen Magiers Gellert Grindelwald an, und das Neugeborene wird entführt. Was die Angreifer jedoch nicht bemerken, ist, dass kurz darauf ein zweites Qilin geboren wird. Daraufhin nimmt Newt dieses Tier in seine Obhut, um es zu schützen. Gleichzeitig möchte sein Mentor Albus Dumbledore gegen Grindelwald vorgehen, doch er ist durch einen magischen Blutpakt eingeschränkt, den er einst mit seinem Jugendgeliebten geschlossen hat.

Daraufhin schickt Dumbledore eine Gruppe nach Berlin, um Grindelwald aufzuhalten: Newt, sein Bruder Theseus Scamander, sein Freund Jacob Kowalski, seine Assistentin Bunty Broadacre und Professorin Eulalie Hicks reisen gemeinsam dorthin. Gleichzeitig schleust sich der senegalesisch-französische Magier Yusuf Kama in Grindelwalds inneren Kreis ein, um Informationen zu sammeln. Währenddessen findet in Berlin eine Veranstaltung der Internationalen Vereinigung von Zauberern statt, bei der der Vorsitzende Anton Vogel, ein bekannter Grindelwald-Sympathisant, bekannt gibt, dass alle Anklagepunkte gegen den dunklen Magier fallengelassen werden. Daraufhin kündigt Grindelwald sofort seine Kandidatur für Vogels Nachfolge an und verschärft damit die politische Spannung.

Verrat, Blutpakt und der Weg zur Wahl

Das Berliner Zaubereiministerium ist von Grindelwalds Anhängern unterwandert, weshalb Theseus unrechtmäßig inhaftiert wird. Deshalb muss Newt ihn befreien, wobei er geschickt sein Gespür für die Tierwesen einsetzt. Währenddessen vereiteln Lally und Jacob ein Attentat auf Grindelwalds Gegenkandidatin Santos, und gleichzeitig wehrt Dumbledore einen Mordversuch von Credence Barebone ab. Dabei wird klar, dass Credence nicht Dumbledores Sohn, sondern sein Neffe ist. Gleichzeitig zeigen Rückblenden erstmals die gemeinsame Jugend von Albus und Gellert, sodass die Motive der Figuren verständlicher werden.

Anschließend findet die Wahl des neuen Vorsitzenden in Bhutan statt. Nach alter Tradition verneigt sich ein Qilin nur vor reinem Herzen, doch Grindelwald hat das Tier getötet und durch ein Ritual manipuliert. Folglich verbeugt sich das Wesen vor ihm, und die Zauberer jubeln. Daraufhin erklärt Anton Vogel Grindelwald zum Sieger, während die Machtverhältnisse deutlich werden. Doch dann enthüllen Credence und Newt den Betrug, Bunty bringt das überlebende Qilin herbei, und die Wahl muss wiederholt werden. Diesmal verneigt sich das Tier vor Dumbledore, der jedoch ablehnt, sodass Vicência Santos schließlich zur neuen Vorsitzenden ernannt wird.

Daraufhin kommt es zu einem kurzen Duell zwischen Albus und Gellert, das ohne Sieger endet, weshalb Grindelwald flieht. Gleichzeitig wenden sich Queenie, Credence und Yusuf Kama gegen ihn. Folglich wird Credence von seinem leiblichen Vater Aberforth aufgenommen, während Jacob und Queenie heiraten. Schließlich verspricht Dumbledore Theseus, Grindelwald zu suchen und zu bekämpfen, sodass die Ereignisse für die Helden zumindest vorerst aufklären und ein Gleichgewicht wiederhergestellt wird.

Filmkritik und Fazit zum Film „Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“ ist der Film, den die Reihe lange gesucht hat – und doch nicht ganz findet. David Yates gelingt es diesmal tatsächlich, die verzweigten Handlungsstränge auf eine gemeinsame Achse auszurichten. Das Ensemble agiert mit spürbarer Energie, George Richmonds Kamera findet in Berlin eindrucksvolle Räume: die eingeschneiten Straßen der Vorkriegsstadt, die architektonische Strenge des an das Chilehaus angelehnten Zaubereiministeriums. Wenn sich Jude Law und Ezra Miller auf offener Straße duellieren und die Perspektiven mehrfach kippen, entsteht ein Moment genuiner filmischer Wucht.

Die entscheidende Stärke des Films ist paradoxerweise seine größte Schwäche: Mads Mikkelsen. Sein Grindelwald besitzt eine stoische Präzision, die alle anderen Figuren überragt. Neben ihm wirkt Eddie Redmayne als Newt Scamander erneut merkwürdig randständig, obwohl die Tierwesen-Sequenzen – allen voran die Eröffnungsszene in Bhutan – zeigen, worin sein eigentliches Potenzial liegt. Jude Laws Dumbledore bleibt über weite Strecken reaktiv. James Newton Howards Musik schafft atmosphärische Verbindungen zum Potter-Kosmos, ohne jedoch eigene Akzente zu setzen. Das Drehbuch nimmt sich gegen Ende erkennbar Abkürzungen.

Wer dem Hogwarts-Universum grundsätzlich zugetan ist, findet hier den stimmigsten Eintrag der Spin-off-Trilogie. Wer hingegen auf Newt Scamander als eigenständige Hauptfigur gehofft hatte, wird erneut warten müssen. Der Film empfiehlt sich für Fantasy-Enthusiasten, die Freude an visuell aufwändigen Weltenentwürfen haben und mit narrativer Unschärfe leben können.

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