Noah

Darren Aronofsky ist ein Filmemacher, der selten den bequemen Weg wählt. Mit „Noah“ wagte er 2014 etwas, das in Hollywood kaum jemand ernsthaft versucht hatte: einen Bibelstoff als episches Fantasydrama zu inszenieren, das weder frommer Kommentar noch bloßes Spektakel sein wollte. Das Ergebnis ist ein Film, der zwischen Ambition und Unentschlossenheit changiert – und dennoch nie aufhört, zu fordern.

Noah
Dauer: 138 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2014
Kategorien: Fantasy, Historisch
Regie: Darren Aronofsky
Produzenten: Scott Franklin, Mary Parent, Darren Aronofsky, Arnon Milchan
Hauptdarsteller: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Ray Winstone
Nebendarsteller: Anthony Hopkins, Emma Watson, Logan Lerman, Douglas Booth
Studio: Paramount Pictures, Regency Enterprises, Protozoa Pictures

Was Aronofsky reizt, ist nicht die Überlieferung, sondern der Mensch dahinter. Noah als gebrochene Figur, geplagt von Visionen, zerrissen zwischen Mitgefühl und Fanatismus – das ist ein Protagonistenentwurf, der weit jenseits des üblichen Bibelepik-Kanons liegt. Die Frage, die der Film stellt, ist keine theologische, sondern eine zutiefst menschliche: Wie weit darf Gehorsam gegenüber einer höheren Ordnung gehen, bevor er in Unmenschlichkeit kippt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Noah“ ist ein US-amerikanischer Fantasy- und Bibelfilm, der 2014 von Darren Aronofsky inszeniert wurde. Das Drehbuch schrieb Aronofsky gemeinsam mit Ari Handel, der bereits bei früheren Projekten des Regisseurs als Koautor tätig war. Als Grundlage diente nicht allein der biblische Text aus Genesis 6–9, sondern auch die französische Comicserie Noé, die Aronofsky und Handel gemeinsam mit dem Zeichner Niko Henrichon entwickelt hatten. Produziert wurde der Film von Paramount Pictures, Regency Enterprises und Protozoa Pictures mit einem Budget von 130 Millionen US-Dollar. Die Filmmusik stammt von Clint Mansell, der sämtliche Spielfilme Aronofskys vertont hat; das Kronos Quartet führte den Score auf.

Russell Crowe verkörpert die Titelrolle, an seiner Seite stehen Jennifer Connelly als seine Frau Naameh sowie Emma Watson als Adoptivsohn Ilas Partnerin Ila. Die Söhne Sem, Ham und Japhet werden von Douglas Booth, Logan Lerman und Leo McHugh Carroll gespielt. Anthony Hopkins gibt Noahs Großvater Methusalem, während Ray Winstone den Antagonisten Tubal-Kain darstellt. Für die Rolle des Noah wurden zuvor Christian Bale und Michael Fassbender angefragt; die Rolle der Ila war ursprünglich an Dakota Fanning vergeben. Die Dreharbeiten fanden vorwiegend in Island sowie im US-Bundesstaat New York statt.

Der Film hat eine Laufzeit von 138 Minuten und ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben. In Europa und Südamerika lief er in einer 3D-Konvertierung, während die US-amerikanische Fassung in 2D gezeigt wurde. Mehrere islamische Länder verboten den Film, da er von Propheten, die im Islam verehrt werden, bildliche Darstellungen enthält. Industrial Light and Magic bezeichnete die visuellen Effekte des Films als die aufwendigste Renderarbeit in der Geschichte des Unternehmens.

Handlung & Inhalt vom Film „Noah“

Als Kind muss Noah mit ansehen, wie sein Vater Lamech von Tubal-Kain, einem Nachfahren Kains, ermordet wird. Jahre vergehen. Noah lebt zurückgezogen mit seiner Frau Naameh und den drei Söhnen Sem, Ham und Japhet. Als eine Blume in Sekunden aus dem Boden schießt und quälende Träume von einer vernichtenden Flut beginnen, bricht er mit seiner Familie auf, um bei seinem Großvater Methusalem Rat zu suchen. Auf dem Weg stoßen sie auf die Überreste eines Massakers und nehmen das einzige überlebende Mädchen, Ila, in ihre Mitte auf.

Methusalem übergibt Noah ein Samenkorn aus dem Garten Eden, aus dem augenblicklich ein gewaltiger Wald emporwächst. Aus seinem Holz errichten Noah, seine Familie und die Steinernen Wächter – gefallene Engel, die zu Steinwesen wurden – eine riesige Arche. Als die Konstruktion vollendet ist, strömen Tiere aller Arten herbei; sie werden an Bord gelassen und durch Räucherwerk in Schlaf versetzt. Tubal-Kain erscheint mit Kriegern und fordert Einlass, den Noah verweigert. Ham, der jüngere Sohn, beginnt die Herrschaft des Mächtigen insgeheim zu bewundern. Ila und Sem werden ein Paar, doch Ila trägt eine alte Unterleibsverletzung, die sie unfruchtbar macht – bis Methusalems Segen sie still und unbemerkt heilt.

Schuld, Glaube und die Grenze des Gehorsams

Ham begibt sich allein auf die Suche nach einer Gefährtin, findet in einer Leichengrube ein junges Mädchen und flieht mit ihr in Richtung Arche. Als der Regen einsetzt, wird das Mädchen in einer Falle gefangen; Noah zwingt Ham, sie zurückzulassen. Die Sintflut setzt ein. Tubal-Kain klettert heimlich an Bord und versteckt sich, von Ham gedeckt, im Laderaum der Arche. Die Steinernen Wächter opfern sich im Kampf gegen Tubal-Kains Männer; ihre Seelen steigen beim Tod in den Himmel auf.

Die Monate auf dem Wasser formen Noah zu einem immer starreren Fanatiker. Er ist überzeugt, der Schöpfer habe die Menschheit zur Gänze ausgerottet gewollt – und als Ila schwanger wird, beschließt er, das Kind zu töten, falls es ein Mädchen sein sollte. Sem und Ila versuchen mit einem Floß zu fliehen; Noah entdeckt es und verbrennt es. Im entscheidenden Moment gebiert Ila Zwillinge, zwei Mädchen. Ham tötet Tubal-Kain im Kampf. Noah, Messer in der Hand, sieht in die Gesichter der Neugeborenen – und zieht sich zurück.

Die Arche läuft auf Grund. Die Familie betritt trockenes Land. Noah zieht sich in die Einsamkeit zurück, betäubt seinen Schmerz mit Wein und liegt entblößt am Strand. Sem und Japhet bedecken schweigend die Blöße ihres Vaters; Ham schaut zu, ohne zu helfen, und verlässt danach die Familie. Erst ein Gespräch mit Ila gibt Noah Klarheit: Der Schöpfer habe ihm die Wahl gelassen, und er habe sich für Barmherzigkeit entschieden. Noah und Naameh finden zueinander zurück. Er segnet seine Familie als Beginn einer neuen Menschheit. Am Himmel erscheint ein Regenbogen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Noah“

Noah“ ist ein Film, der seinen eigentlichen Kern erst in der zweiten Hälfte preisgibt – und dort, wo er sich traut, ist er tatsächlich stark. Russell Crowe zeigt einen Propheten ohne Glorienschein: einen Mann, dessen Glaube in Fanatismus umschlägt und der selbst vor dem Kindsmord nicht zurückschreckt. Diese Radikalisierung der Titelfigur ist das Mutigste, was Aronofsky wagt, und sie funktioniert. Emma Watson hält als Ila dagegen – ihre Geburtsszene, in der Schmerz und Entschlossenheit ineinandergreifen, gehört zu den emotional stärksten Momenten des Films. Kameramann Matthew Libatique verleiht der isländischen Landschaft eine raue, fast zeitlose Würde.

Das Tempo des Film jedoch schwankt erheblich. Der erste Akt prescht durch Prolog, Zeitsprung und Archenbau, als gelte es, schnell in ruhigeres Wasser zu gelangen. Dann verlangsamt sich alles abrupt. Die zweite Hälfte, die Monate auf dem Schiff, entwickelt eine Dichte, die zuweilen in Stagnation kippt. Clint Mansells Score, sonst ein verlässlicher Seelennavigator in Aronofskys Werk, bleibt hier seltsam blass; er orchestriert, ohne zu durchdringen. Die visuellen Effekte hingegen – besonders die Erschaffungssequenz und der Einzug der Tiere – entfalten eine unbestreitbare Wucht. Die Steinernen Wächter, deren Bewegungen nach Ballettaufnahmen modelliert wurden, sind ein seltsames, faszinierendes Wesen zwischen Mythos und CGI-Experiment.

Wer Aronofsky als Regisseur von Charakterstudien schätzt, findet hier beides: den Ansatz und das Scheitern daran. „Noah“ ist kein geschlossenes Werk, aber ein ernsthaftes – und das ist in diesem Genre bereits mehr, als man erwarten darf. Für Liebhaber des epischen Bibelkinos, die bereit sind, einem unbequemen Protagonisten zu folgen, lohnt sich der Blick auf diese eigenwillige, ungleiche, mitunter packende Interpretation.

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