Antarctica – Gefangen im Eis
Eis als Kulisse kennt das Kino in vielerlei Gestalt: als Bedrohung, als Reinheit, als Ende aller Dinge. Frank Marshall hat mit „Antarctica – Gefangen im Eis“ einen Film vorgelegt, der das ewige Weiß der Antarktis nicht als Metapher benutzt, sondern als Prüfraum – für Loyalität, für Verantwortung, für das schweigende Band zwischen Mensch und Tier. Der Originaltitel Eight Below verweist auf acht Schlittenhunde, die in einer der lebensfeindlichsten Regionen der Erde zurückgelassen werden. Es sind keine Helden im klassischen Sinne. Sie überleben, weil sie gemeinsam überleben.

| Dauer: | 120 Min. |
|---|---|
| FSK: | PG (US) |
| Jahr: | 2006 |
| Kategorien: | Dokumentation |
| Regie: | Frank Marshall |
| Produzenten: | David Hoberman, Patrick Crowley |
| Hauptdarsteller: | Paul Walker, Moon Bloodgood, Jason Biggs |
| Nebendarsteller: | Bruce Greenwood, Wendy Crewson, Duncan Fraser, August Schellenberg |
| Studio: | Walt Disney Pictures, Spyglass Entertainment, Mandeville Films, The Kennedy/Marshall Company, Winking Productions, Survival Productions |
Was den Film von vergleichbaren Tier-Abenteuerfilmen unterscheidet, ist weniger seine Dramaturgie als seine eigentümliche Stille. Immer wieder kehrt die Kamera zu den Hunden zurück, ohne Kommentar, ohne erläuternde Stimme aus dem Off. Nur Schnee, Wind und Körpersprache. Die Frage, ob das ausreicht, um zwei Stunden Laufzeit zu tragen, stellt sich mit zunehmender Dauer mit wachsender Ernsthaftigkeit.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Antarctica – Gefangen im Eis“ entstand 2006 unter der Regie von Frank Marshall und wurde von Walt Disney Pictures produziert. Das Drehbuch verfasste David DiGilio; die Kameraarbeit lag in den Händen von Don Burgess, den Schnitt verantwortete Christopher Rouse, die Musik komponierte Mark Isham. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit: der japanischen Antarktisexpedition von 1958, die bereits 1983 als japanischer Kinofilm verarbeitet wurde. Marshall aktualisierte den Stoff auf das Jahr 1993 und transferierte ihn in ein amerikanisches Produktionsumfeld.
Die Hauptrolle des Schlittenhundeführers Jerry Shepard übernahm Paul Walker, seinerzeit vor allem durch die Fast & Furious-Reihe bekannt. Bruce Greenwood spielt den ehrgeizigen Geologen Dr. Davis McClaren, Jason Biggs den komödiantisch angelegten Kartographen Charlie Cooper, Moon Bloodgood die Pilotin Katie. Die menschliche Besetzung bleibt bewusst schematisch – die eigentlichen Protagonisten sind die acht Schlittenhunde, für deren Darstellung insgesamt mehr als dreißig ausgebildete Tiere eingesetzt wurden, zwei Alaskan Malamutes und sechs sibirische Huskies.
Gedreht wurde nicht in der Antarktis selbst, sondern in Smithers (British Columbia), auf Grönland und in Spitzbergen. Der Film erhielt in Deutschland die Freigabe FSK 0 und lief ab dem 17. August 2006 im Kino. In den USA erhielt er eine PG-Einstufung. Das Produktionsbudget betrug 40 Millionen Dollar; weltweit spielte der Film rund 120 Millionen Dollar ein. Mark Ishams Score wurde 2007 mit dem ASCAP Award in der Kategorie Top Box Office Films ausgezeichnet.
Handlung & Inhalt vom Film „Antarctica – Gefangen im Eis“
Mit dem Ende der Sommersaison bereitet sich die antarktische Forschungsstation auf die Evakuierung vor. Kurz zuvor trifft noch ein ungebetener Gast ein: Pilotin Katie fliegt UCLA-Professor Dr. Davis McClaren ein, damit er am Mount Melbourne einen Meteoriten vom Mars sucht. Schlittenhundeführer Jerry Shepard hält eine Schneemobilfahrt wegen des instabilen Eises für zu gefährlich. Stattdessen setzt er sein achtköpfiges Gespann ein, angeführt von Leithündin Maya. Die Expedition gelingt, sie finden den Meteoriten, doch ein aufziehender Sturm zwingt sie zur Umkehr.
Auf dem Rückweg stürzt McClaren eine Böschung hinab und bricht durch eine dünne Eisdecke. Maya kriecht über das brüchige Eis und legt ihm eine Seilschlinge an; Jerry und die Hunde ziehen den Professor heraus. Dank des Navigationsinstinkts der Hunde erreichen beide lebend die Basis, die sofort geräumt werden muss. Da McClaren verletzt ist und eine Trage braucht, bleibt im Flugzeug kein Platz mehr für die Hunde. Jerry kettet sie vor der Station an, gestützt auf Katies feste Zusage, sie schnellstmöglich zu holen. Der antarktische Winter vereitelt dieses Versprechen.
Allein im ewigen Eis
Wochen vergehen, und eine Rückkehr bleibt unmöglich. Jerry versucht vergeblich, eine Rettungsexpedition zu organisieren. Derweil zeigen die parallelen Episoden der Hunde, wie sie aktiv mit ihrer Situation umgehen. Nach einigen Tagen des Wartens reißen sie sich los, nur Old Jack, der älteste des Gespanns, bleibt zurück und stirbt an der Kette. Die anderen jagen Möwen und stoßen später auf einen gestrandeten Schwertwal, den ein Seeleopard besetzt hält. Im Rudel vertreiben sie das Raubtier und verletzen dabei Maya schwer am Hinterbein. Fortan versorgt das Rudel seine verletzte Leiterin.
Als ein weiterer Hund bei einem Sturz tödlich verunglückt, bleiben die anderen bei ihm, bis er stirbt. Jerry erfährt unterdessen, dass eine Rettungsmission erst im Frühling des nächsten Jahres möglich ist. Verzweifelt setzt er alles in Bewegung, um die Hunde früher zu holen, doch alle Bemühungen scheitern. Auch McClaren, dem Jerry das Leben gerettet hat, findet zunächst keine Möglichkeit, eine sofortige Expedition zu finanzieren. Die Zeit läuft ab, und Jerry muss auf den nächsten Sommer warten.
Den entscheidenden Anstoß liefert schließlich McClaren selbst. Als sein Sohn ihm eine Kinderzeichnung zeigt – acht Hunde, beschriftet mit „Mein Held“ – erkennt der Geologe seine Schuld. Er stellt sein Preisgeld für die Expedition zur Verfügung. Gemeinsam mit Jerry, Katie und Charlie bricht er auf. An der Station findet Jerry zunächst Old Jack, noch an der Kette. Dann tauchen fünf der sechs überlebenden Hunde aus der Weite auf und begrüßen die Menschen mit einem Freudentaumel. Der sechste führt Jerry zu Maya, die nicht mehr laufen kann, aber noch lebt. Er trägt sie auf den Armen zum Fahrzeug. Eine abschließende Einblendung widmet den Film den Pionieren der Antarktis und ihren Hunden.
Filmkritik und Fazit zum Film „Antarctica – Gefangen im Eis“
„Antarctica – Gefangen im Eis“ ist ein Film, der seine stärksten Momente dort hat, wo er auf Sprache verzichtet. Die Sequenzen, in denen die Hunde allein durch den antarktischen Winter navigieren – ohne menschlichen Kommentar, ohne erläuterndes Voice-over –, entwickeln eine ruhige, eindringliche Kraft. Don Burgess‘ Kamera findet in den Weitwinkelaufnahmen der Eislandschaften eine Stimmung, die Mark Ishams Score mit sparsamen Mitteln grundiert. Gegen diese stillen Passagen fallen die menschlichen Handlungsstränge merklich ab: Paul Walker bleibt als Jerry Shepard funktional, und das Drehbuch von David DiGilio gibt ihm kaum Gelegenheit, über Pflichterfüllung und Schuldgefühl hinaus zu variieren.
Frank Marshall inszeniert den Film mit solidem Handwerk, hält das Tempo jedoch ungleichmäßig. Der erste Akt führt Figuren und Situation mit Bedacht ein; im mittleren Teil stellt er Jerrys erfolglose Rettungsversuche und die Überlebensepisoden der Hunde direkt gegenüber, erzeugt so Rhythmus, verliert ihn jedoch immer dann, wenn die Nebenfiguren – Jason Biggs als komödiantische Entlastung, Moon Bloodgood als romantisches Versprechen – zu schematisch agieren. Zwei Stunden Laufzeit wirken für einen Film dieser Anlage ambitioniert. Dreißig Minuten weniger straffen den Schnitt, ohne das Wesentliche zu opfern. Der Film funktioniert dennoch, weil die tierischen Darsteller präzise spielen und die Handlung mit beachtlicher Ausdrucksstärke tragen.
Wer Tierfilme generell meidet, wird auch dieser Produktion entsprechend distanziert begegnen. Wer jedoch offen ist für ein Familiendrama, das seinen emotionalen Kern nicht in Dialogen, sondern vielmehr in Bildern sucht, der findet in diesem Disney-Film deutlich mehr als nur braven Pflichterfüllungsstoff. Und der Blick auf das Rudel, das seine verwundete Anführerin gemeinsam versorgt, gehört dabei zu jenen Kinomomenten, die ohne Worte auskommen und gerade deshalb nachhaltig nachwirken.