Bohemian Rhapsody
Freddie Mercury war kein Rockstar nach Schablone. Er war ein Exzess aus Widersprüchen – Wärme und Kälte, Kontrollwille und Kontrollverlust, Bühnenmagie und innere Einsamkeit. Dass ausgerechnet das Kino diesem Leben eine Form geben wollte, war von Anfang an eine riskante Wette. „Bohemian Rhapsody“ aus dem Jahr 2018 ist das Ergebnis dieser Wette – ein Film, der das Unmögliche anstrebt und es dabei nur halb erreicht.

| Dauer: | 135 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2018 |
| Kategorien: | Dokumentation, Musical |
| Regie: | Bryan Singer |
| Produzenten: | Jim Beach, Graham King, Bryan Singer, Brian May, Peter Oberth, Roger Taylor |
| Hauptdarsteller: | Rami Malek, Gwilym Lee, Ben Hardy |
| Nebendarsteller: | Joseph Mazzello, Lucy Boynton, Aidan Gillen, Allen Leech |
| Studio: | 20th Century Fox, Regency Enterprises, GK Films, TSG Entertainment |
Queen wurde gegründet, als Rockmusik noch ein Aufstand war. Die Band schrieb Geschichte mit Stücken, die Opernhaftigkeit und Gitarrengewitter zur Einheit verschmolzen. Mercury selbst lebte radikaler als sein Publikum. Wie also porträtiert man ein Leben, das zwischen Exzess und Exzellenz pendelte – ohne es zu verklären oder zu beschädigen?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Bohemian Rhapsody“ ist eine amerikanisch-britische Co-Produktion aus dem Jahr 2018 mit einer Laufzeit von 135 Minuten. Bryan Singer übernahm die Regie, wurde jedoch kurz vor Abschluss der Dreharbeiten abgelöst. Dexter Fletcher führte die Produktion zu Ende, erscheint im Abspann aber nicht als Regisseur. Das Drehbuch stammt von Anthony McCarten, produziert wurde der Film von Graham King und Jim Beach. Für eine der zentralen Szenen ließ das Team eine exakte Replika der Live-Aid-Bühne bauen.
Rami Malek übernimmt die Hauptrolle als Farrokh Bulsara, bekannt als Freddie Mercury. Lucy Boynton spielt seine langjährige Vertraute Mary Austin, Gwilym Lee verkörpert Gitarrist Brian May, Ben Hardy Schlagzeuger Roger Taylor und Joseph Mazzello Bassist John Deacon. Aidan Gillen ist als Manager John Reid zu sehen, Tom Hollander als Anwalt Jim Beach und Allen Leech als Mercurys Assistent Paul Prenter. Mike Myers tritt in einem Cameo als fiktiver Plattenboss Ray Foster auf, Aaron McCusker als Jim Hutton.
Der Film läuft 135 Minuten und trägt die FSK-Freigabe ab 6 Jahren. Bei der Oscarverleihung 2019 gewann er vier Auszeichnungen, darunter Bester Hauptdarsteller für Rami Malek sowie Oscars für Schnitt, Tonschnitt und Ton. Beim Golden Globe 2019 wurde er als Bestes Filmdrama ausgezeichnet. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 903 Millionen US-Dollar ist er die bis dato erfolgreichste Filmbiografie der Kinogeschichte.
Handlung & Inhalt vom Film „Bohemian Rhapsody“
London, 1970: Der junge Grafikdesign-Student Farrokh Bulsara, von allen nur Freddie genannt, drängt sich in das Leben der Band Smile. Schnell übernimmt er das Mikrofon, und das Publikum reagiert sofort auf seine Energie. Gleichzeitig wird die Verkäuferin Mary Austin auf ihn aufmerksam, und zwischen ihnen entsteht eine Beziehung. Die Band formiert sich neu, John Deacon stößt als Bassist dazu, und schließlich findet die Gruppe ihren Namen: Queen. Erste Aufnahmen entstehen, Manager John Reid erkennt ihr Potenzial, und die Band tourt durch Japan und die USA.
Zurück in England beginnen die Arbeiten am Album „A Night at the Opera“. Die Band zieht sich auf einen Bauernhof zurück, doch der Erfolgsdruck wächst, und die Nerven liegen blank. Besonders die Arbeit an „Bohemian Rhapsody“ ist aufwendig. Das fertige Stück überzeugt die Musiker, doch Labelchef Ray Foster lehnt es als Single ab. Mercury erkennt nach seiner Rückkehr, dass er zu Männern hingezogen ist, löst die Verlobung mit Mary Austin, doch ihre Freundschaft bleibt bestehen.
Zwischen Ruhm und Zerfall
In den folgenden Jahren schwankt Mercury zwischen Ruhm und Zerfall. Er lebt in wechselnden Partnerschaften, konsumiert Drogen und feiert exzessiv. München wird seine Wahlheimat, dort entstehen neue Aufnahmen, doch Prenter schottet ihn zunehmend ab. Anfragen erreichen Mercury kaum noch, alte Bindungen erodieren, und die Studioarbeit leidet. Schließlich gerät eine Pressekonferenz zum Verhör über sein Sexualleben, und sein Körper sendet erste Warnsignale.
Gleichzeitig bietet Manager Reid ihm einen lukrativen Solovertrag an, den Mercury anfangs ablehnt, später jedoch widerwillig zustimmt – gegen den ausdrücklichen Willen seiner Bandkollegen. Die Reibung innerhalb der Gruppe wächst, der persönliche Abstand zwischen ihnen ebenfalls. Prenter filtert weiterhin wichtige Anfragen und verschweigt sogar die Einladung zu Live Aid. Mercury erfährt zunächst nicht, dass Bob Geldof Queen unbedingt auf der Bühne haben will.
Schließlich steht Mary Austin vor seiner Tür, bittet ihn zurückzukehren und erwähnt Live Aid. Mercury erkennt, was er verloren hat und trennt sich von Prenter. Er versöhnt sich mit der Band, erhält die HIV-Diagnose und erklärt, weiterhin aufzutreten. Er beendet seinen exzessiven Lebensstil, beginnt eine Beziehung mit Jim Hutton und stellt ihn seiner Familie vor. Beim Live-Aid-Auftritt 1985 im Wembley-Stadion liefert Queen eine legendäre Show, die weltweit Schlagzeilen macht.
Filmkritik und Fazit zum Film „Bohemian Rhapsody“
„Bohemian Rhapsody“ überzeugt handwerklich: opulent ausgestattet, sorgfältig von Newton Thomas Sigel fotografiert, mit einem Schnitt von John Ottman, der den Oscar verdient. Rami Malek trägt den Film und verkörpert Mercury nicht bloß, sondern arbeitet seine inneren Schichten heraus: die Zerbrechlichkeit hinter der Extravaganz, das Suchen hinter dem Stolzieren. Besonders in ruhigen Szenen – beim Gespräch mit Austin oder der stillen Begegnung mit Hutton – entfaltet Malek eine Tiefe, die der Rest des Films nicht immer erreicht.
Die Inszenierung zielt auf Breitenwirkung und kontrolliert die Exzesse des Sängers. Mercurys Münchner Jahre wirken als Zwischenstation ohne Kontur, während Bühnenmomente oft wohltemperiert bleiben. Nur die Live-Aid-Sequenz am Ende explodiert, zieht alle Register und reißt das Publikum mit. Dennoch hätte der Film den Weg dorthin schroffer und kantiger gestalten müssen, um dem Sujet gerecht zu werden.
Wer Queen und Freddie Mercury bereits liebt, wird das Kino mit einem warmen Gefühl verlassen. Wer ihn kennenlernen möchte, bekommt ein Porträt, das mehr poliert als enthüllt. „Bohemian Rhapsody“ lohnt sich – für die Musik, für Malek, für den fulminanten Schluss. Als Annäherung an ein Leben, das Widerspruch und Wagnis war, bleibt er jedoch auf halbem Weg stehen.