Harry Potter und der Orden des Phönix

Harry Potter und der Orden des Phönix“ ist mehr als nur die fünfte Station einer Franchise-Maschine. Der Film markiert eine Zäsur – dunkler, politischer, psychologisch dichter als seine Vorgänger. David Yates übernimmt das Ruder eines Milliardenunternehmens ohne Hollywood-Erfahrung und liefert dabei einen Ton, der die kindliche Leichtigkeit der frühen Teile endgültig verabschiedet.

Harry Potter und der Orden des Phönix
Dauer: 138 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2007
Kategorien: Fantasy
Regie: David Yates
Produzenten: David Heyman, Lorne Orleans, David Barron
Hauptdarsteller: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson
Nebendarsteller: Imelda Staunton, Helena Bonham Carter, Robbie Coltrane, Gary Oldman
Studio: Warner Bros. Pictures, Heyday Films

Was bleibt, wenn man tausend Seiten auf 138 Minuten verdichtet? Diese Frage verfolgt den Film von der ersten Szene bis zur letzten. Das Drehbuch von Michael Goldenberg priorisiert radikal – und zahlt dafür einen Preis. Manches greift, manches verliert sich. Ob das Ergebnis mehr Substanz ist als Silhouette, zeigt erst der genaue Blick.

Besetzung, Regie und Drehorte

Harry Potter und der Orden des Phönix“ entstand als britisch-US-amerikanische Co-Produktion von Warner Bros. und Heyday Films mit einem Budget von rund 150 Millionen US-Dollar. Die Dreharbeiten liefen von Februar bis Dezember 2006 an verschiedenen Schauplätzen in England und Schottland. Die Regie übernahm der britische Fernsehregisseur David Yates, das Drehbuch schrieb Michael Goldenberg. Für die Kamera war Sławomir Idziak verantwortlich, den Schnitt übernahm Mark Day. Die Filmmusik komponierte Nicholas Hooper – John Williams‘ ikonisches Hauptthema blieb jedoch erhalten.

Daniel Radcliffe spielt erneut Harry Potter, an seiner Seite stehen Rupert Grint als Ron Weasley und Emma Watson als Hermine Granger. Michael Gambon verkörpert Dumbledore, Gary Oldman kehrt als Sirius Black zurück. Neu im Ensemble sind Imelda Staunton als Dolores Umbridge, Helena Bonham Carter als Bellatrix Lestrange sowie die Newcomerin Evanna Lynch in der Rolle der Luna Lovegood. Ralph Fiennes ist erneut als Lord Voldemort zu sehen, Alan Rickman bleibt als Severus Snape präsent.

Der Film erhielt FSK-12-Freigabe und kam am 11. Juli 2007 in die deutschen Kinos. Weltweit spielte er rund 938 Millionen US-Dollar ein und gehört damit zu den kommerziell erfolgreichsten Teilen der Reihe. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem People’s Choice Award als bestes Filmdrama sowie dem Deutschen Kinopreis. Die letzten 20 Minuten wurden in ausgewählten Kinos im IMAX-3D-Format gezeigt.

Handlung & Inhalt vom Film „Harry Potter und der Orden des Phönix“

Harry Potter verbringt wie gewohnt die Sommerferien bei seinen Verwandten, den Dursleys, in der Vorstadt Little Whinging. Plötzlich kommt es zu einem unerwarteten Dementorenüberfall auf ihn und seinen Cousin Dudley, woraufhin Harry gezwungen ist, einen Patronus-Zauber einzusetzen. Daraufhin reagiert das Zaubereiministerium sofort: Zauberei außerhalb der Schule durch einen Minderjährigen gilt als Verstoß. Infolgedessen erhält Harry einen Schulverweis. Allerdings wird er in der darauffolgenden Nacht von Mitgliedern des Ordens des Phönix abgeholt und zu deren Hauptquartier gebracht, wo er erfährt, dass er sich vor dem Zaubergamot verantworten muss. Mit Dumbledores Unterstützung und einer Squib als Zeugin wird Harry schließlich freigesprochen.

Der Orden des Phönix, eine von Dumbledore gegründete Widerstandsorganisation gegen Voldemort, wurde nachdem Harry im Vorjahr dem Dunklen Lord begegnet war, reaktiviert. Dennoch weigert sich Zaubereiminister Cornelius Fudge, Harrys Bericht über Voldemorts Rückkehr anzuerkennen. Stattdessen hält er den Jungen für einen Lügner und setzt die Presse unter Druck, um Harry und Dumbledore öffentlich zu diskreditieren. Daher beginnt das neue Schuljahr für Harry unter dem Vorzeichen von Misstrauen und Isolation. Zudem zweifeln ehemalige Verbündete, und alte Freundschaften stehen unter Druck.

Widerstand, Visionen und dunkle Mächte

Um Hogwarts zu kontrollieren und Dumbledore zu schwächen, schickt Fudge seine Erste Untersekretärin Dolores Umbridge als neue Lehrerin für Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Folglich verbannt sie praktische Magie aus dem Unterricht und errichtet ein System aus Verboten, Bestrafungen und Ministeriumsdekreten. Daher gründet Harry heimlich Dumbledores Armee, in der er seine Mitschüler in Abwehrzaubern ausbildet. Währenddessen gewinnt Umbridge immer mehr Macht, bis sie schließlich das Amt der Schulleiterin übernimmt. Harrys Widerstand nimmt zunehmend gefährliche Formen an.

Parallel plagen Harry immer häufiger Träume, die ihn in die Mysteriumsabteilung des Ministeriums führen. In einer Vision sieht er, wie Arthur Weasley angegriffen wird – eine Warnung, die gerade noch rechtzeitig ernst genommen wird. Daraufhin beauftragt Dumbledore Professor Snape, Harry im Okklumentismus zu unterrichten, um seine Gedanken vor Voldemort zu schützen. Dabei erfährt Harry, dass Snapes tiefe Feindseligkeit in der Demütigung durch Harrys Vater James wurzelt. Somit wächst die Verbindung zwischen Harry und Voldemort beunruhigend und unaufhaltsam.

Gegen Ende des Schuljahres hat Harry eine weitere erschreckende Vision: Sein Patenonkel Sirius Black wird gefoltert. Überzeugt von der Echtheit der Vision, stürmt Harry gemeinsam mit seinen engsten Freunden in die Mysteriumsabteilung. Dort treffen sie auf Todesser, die eine Prophezeiungskugel suchen, die besagt, dass Harry Voldemort besiegen muss. Der Kampf eskaliert schnell, und nur das Eingreifen des Ordens verhindert Schlimmeres. Dennoch tötet Bellatrix Lestrange Sirius Black. Schließlich erscheint Voldemort persönlich und liefert sich einen Zweikampf mit Dumbledore, den zahlreiche Zeugen beobachten. Minister Fudge erkennt nun unwiderruflich: Voldemort ist zurück, und die Gefahr lässt sich nicht länger leugnen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Harry Potter und der Orden des Phönix“

Harry Potter und der Orden des Phönix“ kämpft mit einem strukturellen Problem, das kein Regisseur allein hätte lösen können: Das Drehbuch von Michael Goldenberg verdichtet über tausend Seiten auf ein Maß, das für Erzähltiefe kaum noch Raum lässt. David Yates gelingt dabei eine visuell stimmige, atmosphärisch dichte Inszenierung – Sławomir Idziaks Kamera erzeugt Düsternis mit Methode, ohne in Beliebigkeit zu kippen. Imelda Staunton als Dolores Umbridge ist eine der stärksten Schurkinnen der gesamten Reihe: Ihre Performance verbindet biedermeierliche Oberfläche mit eiskalter Grausamkeit auf eine Weise, die im Gedächtnis bleibt. Gleichzeitig bekommen Gary Oldman, Alan Rickman und Helena Bonham Carter nur Bruchteile der Leinwandzeit, die ihre Figuren eigentlich verdienen.

Das Tempo des Films pendelt zwischen erzwungener Komprimierung und unerwartet langen Verweildauern an Nebenschauplätzen. Dass der titelgebende Orden kaum Kontur gewinnt, obwohl er zentral für die Mythologie der Geschichte wäre, ist eine spürbare Schwäche. Evanna Lynch als Luna Lovegood setzt dagegen einen frischen Akzent – ihre Entrücktheit wirkt nie aufgesetzt, sondern organisch im Tonfall der Szenen verankert. Der Showdown im Zaubereiministerium, in den letzten zwanzig Minuten auch im IMAX-Format erfahrbar, entfaltet dagegen echte kinetische Wucht. Nicholas Hoopers Partitur trägt diesen Schlusskampf mit zurückhaltendem Gespür, ohne Williams‘ Thema zu überschreiben.

Der fünfte Potter-Film ist kein einfacher Einstieg für Neulinge. Wer die Bücher kennt, füllt die Lücken intuitiv; wer es nicht tut, stößt auf narrative Sprünge, die nicht immer aufgelöst werden. Fantasy Fans, die Wert auf Atmosphäre und Ensemble legen, werden dennoch auf ihre Kosten kommen – mit der Einschränkung, dass viel Potenzial auf dem Weg von der Vorlage zur Leinwand verloren gegangen ist.

X