Aladdin
Es gibt Momente im Kino, in denen eine vertraute Melodie einsetzt und sofort etwas in einem aufleuchtet – ein Reflex, halb Erinnerung, halb Sehnsucht. „Aladdin„, Guy Ritchies Realverfilmung des Disney-Klassikers von 1992, spielt bewusst mit diesem Reflex. Er vertraut darauf, dass das Publikum die Wunderlampe kennt, den fliegenden Teppich, die arabische Nacht. Das ist eine Stärke und zugleich die größte Hypothek, unter der dieser Film steht.
Realverfilmungen von Zeichentrickklassikern sind immer auch ein Versprechen: dass das Bekannte in neuem Gewand nicht nur überlebt, sondern gewinnt. Manchmal hält dieses Versprechen, wie zuletzt „The Jungle Book“ bewiesen hat. Manchmal bleibt es uneingelöst. Wo also steht diese Agrabah-Version des Jahres 2019, zwischen nostalgischem Pflichtprogramm und eigenständigem Werk?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Aladdin“ ist ein US-amerikanisches Fantasy-Musical, produziert von Walt Disney Pictures unter den Produzenten Dan Lin und Jonathan Eirich. Guy Ritchie führte Regie und schrieb gemeinsam mit John August das Drehbuch. Die Filmmusik stammt von Alan Menken, der bereits den Zeichentrickklassiker von 1992 vertonte und für die Neuverfilmung mit den Songwritern Benj Pasek und Justin Paul zusammenarbeitete. Die Kamera übernahm Alan Stewart, den Schnitt James Herbert.
Die Titelrolle verkörpert der kanadisch-ägyptische Newcomer Mena Massoud, an seiner Seite spielt Naomi Scott die Prinzessin Jasmin. Will Smith ist als Dschinni besetzt, Marwan Kenzari übernimmt die Rolle des Antagonisten Dschafar. Navid Negahban spielt den Sultan von Agrabah, Nasim Pedrad die für den Film neu erdachte Dienerin Dalia. Billy Magnussen ist als Prinz Anders zu sehen, Alan Tudyk spricht den Papagei Jago.
Die Dreharbeiten fanden zwischen September 2017 und Januar 2018 statt, vorwiegend in den Longcross Studios in Surrey sowie an Außenlocations im jordanischen Wadi Rum. Der Film läuft 130 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 6. Bei den Teen Choice Awards 2019 gewann er unter anderem als Choice Sci-Fi/Fantasy Movie, Will Smith wurde mit dem Choice Sci-Fi/Fantasy Movie Actor ausgezeichnet. Beim Saturn Award erhielt der Film den Preis für die besten Kostüme.
Handlung & Inhalt vom Film „Aladdin“
Die Geschichte beginnt auf dem offenen Meer. Ein Vater fährt mit seiner vierköpfigen Familie auf einem kleinen Boot, die Kinder blicken neidisch auf ein großes Schiff am Horizont. Um ihnen den Wert des Einfachen zu erklären, beginnt der Vater zu erzählen: von Aladdin, von einer Prinzessin und von einer Lampe. So wird die eigentliche Handlung zur Geschichte in der Geschichte, eingebettet in einen Rahmen, der am Ende seine Bedeutung enthüllt. In Agrabah, einer prachtvollen arabischen Stadt, schlägt sich der junge Aladdin gemeinsam mit seinem Affen Abu durch die Gassen. Er stiehlt, was er zum Überleben braucht, und bewegt sich dabei mit der Leichtigkeit eines Mannes, dem die Straße zur zweiten Natur geworden ist.
Bei seinen Streifzügen durch die Stadt begegnet Aladdin einer jungen Frau, die sich als Dienerin ausgibt, in Wahrheit aber Prinzessin Jasmin ist. Sie ist dem Palastleben entkommen, weil sie sich nach Freiheit sehnt und die Zukunft, die ihr aufgezwungen werden soll, nicht akzeptieren will. Jasmin soll einen Prinzen heiraten, obwohl sie selbst die Nachfolge ihres Vaters als Sultanin anstrebt. Aladdin folgt ihr abends in den Palast, um ihr einen gestohlenen Armreif zurückzugeben. Dort wird er vom Wesir Dschafar gefasst, der einen eigenen Plan verfolgt: Er benötigt jemanden, der für ihn aus der sagenumwobenen Wunderhöhle eine Lampe birgt, denn nur der sogenannte „Rohdiamant“ kann dort eintreten.
Verrat, Wünsche und wachsende Bedrohung
Aladdin betritt die Höhle, findet die Lampe und entdeckt dabei auch einen fliegenden Teppich. Als er Dschafar die Lampe reichen will, verrät dieser ihn und stößt ihn zurück in die Tiefe. Abu gelingt es, die Lampe zu stehlen. In der Höhle eingeschlossen, reibt Aladdin die Lampe und befreit einen Dschinni, der sich als das mächtigste Wesen im Universum vorstellt und ihm drei Wünsche gewährt. Ohne einen Wunsch zu verbrauchen, gelingt ihnen die Flucht durch einen Trick. Aladdin nutzt seinen ersten Wunsch, um als Prinz Ali aus Ababwa zu erscheinen, in der Hoffnung, Jasmin und ihren Vater zu beeindrucken. Der Dschinni selbst verkleidet sich als menschlicher Diener und verliebt sich dabei in Dalia, Jasmins Zofe.
Als Prinz Ali hält Aladdin prunkvoll Einzug in Agrabah, doch Jasmin durchschaut ihn beinahe sofort. Erst auf einem Ausflug mit dem fliegenden Teppich kommen sich die beiden näher. Dschafar lässt Aladdin daraufhin entführen und ins Meer werfen, um zu prüfen, ob er die Lampe besitzt. Der Dschinni rettet Aladdin, verbraucht dabei jedoch den zweiten Wunsch. Zurück im Palast gelingt es Aladdin, Dschafars Zauberstab zu zerstören und dessen Verschwörung aufzudecken. Dschafar wird verhaftet.
Doch der Papagei Jago befreit Dschafar aus dem Kerker. Dieser bemächtigt sich der Lampe und wünscht sich zunächst, Sultan zu werden, dann der mächtigste Zauberer der Welt. Er verbannt Aladdin in ein eisiges Ödland, terrorisiert den Sultan und Dalia und zwingt Jasmin zur Hochzeit. Der Dschinni schickt heimlich den Zauberteppich, um Aladdin zu retten. Bei Aladdins Rückkehr stiehlt Jasmin die Lampe, doch Dschafar schlägt zurück und vernichtet den Teppich. In letzter Not lockt Aladdin Dschafar mit dem Hinweis, dass er als Zauberer stets nur die Nummer zwei hinter dem Dschinni sei. Dschafar lässt sich verleiten und wünscht sich, das mächtigste Wesen im Universum zu sein. Damit wird er selbst zu einem Dschinni, gefangen in einer Lampe, verbannt in die Wunderhöhle.
Filmkritik und Fazit zum Film „Aladdin“
„Aladdin“ ist ein Film, der mehr kann, als er auf Anhieb zeigt – und weniger liefert, als er versprechen möchte. Guy Ritchies Inszenierung gibt sich an vielen Stellen zurückhaltend, wo Energie gefragt wäre. Die Kamera hält Distanz, gerade in den Musicalszenen, wo Nähe und Bewegung entscheidend wären. Die Songs, von Alan Menken neu arrangiert, verlieren dabei ihren Atem. Was als Neuinterpretation gedacht ist, klingt oft nach einem modernen Popprodukt, das die melodische Stärke der Vorlagen glattschleift. Naomi Scott trägt ihre Soloballade „Speechless“ mit sichtbarem Einsatz, doch die Nummer selbst bleibt kalkuliert statt überzeugend.
Will Smith rettet als Dschinni mehr als einen Moment. Sein Timing ist präzise, sein Humor funktioniert auf eigene Weise – nicht als Echo von Robin Williams, sondern als selbstbewusste Neubesetzung einer Figur, die viel Raum braucht. Nasim Pedrad als Dalia ist eine echte Entdeckung: Sie stiehlt ihrer Herrin verlässlich die Szenen und gibt dem Film eine Leichtigkeit, die ihm anderswo fehlt. Mena Massoud bringt körperliche Geschicklichkeit mit, wirkt in den dramatischeren Momenten jedoch dünn. Marwan Kenzari als Dschafar dagegen ist eine Fehlkalibrierung: zu jung, zu glatt für einen Schurken, dem man wirklich Macht zutrauen müsste.
Für Fantasy-Musical-Liebhaber ist dieser „Aladdin“ ein unvollkommenes, jedoch nicht bedeutungsloses Erlebnis. Die Geschichte trägt sich, weil sie es vor 27 Jahren bereits getan hat. Wer die Vorlage liebt, findet hier wenig, was ihn überrascht, aber einiges, das ihn kurz aufleuchten lässt. Wer sie nicht kennt, trifft auf solides Unterhaltungskino mit Lücken. Ein Pflichtwerk ist diese Neuverfilmung nicht – ein verwerflicher Abend im Kino aber auch nicht.
