Dark Shadows

Tim Burtons „Dark Shadows“ verspricht Nostalgie mit Vampirzähnen. Eine TV-Serie der 60er-Jahre wird zum Gothic-Spektakel transformiert. Johnny Depp kehrt als untotes Familienoberhaupt Barnabas Collins zurück, nachdem er zwei Jahrhunderte im Sarg verbracht hat. Die Zeit ist weitergerollt, Maine erscheint ihm fremdartig. Hippies tanzen, Lavalampen glühen, und seine Nachfahren kämpfen mit Problemen fernab von Flüchen.

Dark Shadows
Dauer: 113 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2012
Kategorien: Fantasy, Komödie
Regie: Tim Burton
Produzenten: Johnny Depp, Christi Dembrowski, Graham King, Richard D. Zanuck, David Kennedy
Hauptdarsteller: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Eva Green
Nebendarsteller: Helena Bonham Carter, Chloë Grace Moretz, Bella Heathcote, Gulliver McGrath
Studio: Village Roadshow Pictures, Infinitum Nihil, GK Films, The Zanuck Company, Warner Bros. Pictures

Burton inszeniert eine Zeitreise durch sein eigenes Universum. Seine vertrauten Motive kehren wieder: blasse Außenseiter, skurrile Herrenhäuser, melancholische Romantik. Die Kulisse aus den 70er-Jahren dient ihm als Spielwiese für Anachronismen und visuellen Prunk. Angelique, die rachsüchtige Hexe, verfolgt Barnabas weiter. Zwischen beiden tobt ein Krieg, der sich über Jahrhunderte erstreckt. Kann ein toter Vampir in einer Welt bestehen, die Magie vergessen hat?

Besetzung, Regie und Drehorte

Dark Shadows“ entstand 2012 unter der Regie von Tim Burton. Das Drehbuch schrieb Seth Grahame-Smith, produziert wurde der Film u. a. von Johnny Depp und Graham King für Warner Bros. Danny Elfman komponierte die Musik, Bruno Delbonnel führte die Kamera. Gedreht wurde von Mai bis September 2011 in Großbritannien und Kanada, darunter Cornwall und die Pinewood Studios.

Johnny Depp spielt Barnabas Collins, Michelle Pfeiffer die Familienoberin Elizabeth. Helena Bonham Carter ist als Psychiaterin Dr. Hoffman zu sehen, Eva Green als Hexe Angelique. Bella Heathcote verkörpert Victoria Winters und Josette, Chloë Grace Moretz die junge Carolyn. Weitere Rollen übernehmen Jackie Earle Haley, Jonny Lee Miller und Gulliver McGrath.

Der Film dauert 113 Minuten, erhielt eine FSK-12-Freigabe und spielte weltweit 239 Millionen Dollar ein. Vier Darsteller der Originalserie haben Cameo-Auftritte, darunter Jonathan Frid, für den es der letzte Auftritt vor seinem Tod war. Der Abspann ist Dan Curtis gewidmet. Alice Cooper hat einen Gastauftritt.

Handlung & Inhalt vom Film „Dark Shadows“

Im Jahr 1760 segelt die Familie Collins von Liverpool nach Amerika. Joshua und Naomi Collins gründen mit ihrem Sohn Barnabas in Maine das Fischereiunternehmen Collins und die Stadt Collinsport. Innerhalb von 15 Jahren errichten sie das prachtvolle Anwesen Collinwood. Der erwachsene Barnabas unterhält eine Affäre mit der Bediensteten Angelique, erwidert ihre Liebe jedoch nicht. Angelique entpuppt sich als Hexe. Sie nutzt ihre Kräfte, um Barnabas‘ Eltern durch herabfallende Steine zu töten. Seine wahre Liebe Josette treibt sie in den Selbstmord von der Klippe Widow’s Hill. Barnabas springt ihr nach, überlebt aber, weil Angelique ihn zuvor in einen Vampir verwandelt hat. Die Hexe hetzt die Stadtbevölkerung gegen das Monster auf. Barnabas wird bei lebendigem Leib in einen Sarg eingeschlossen und begraben.

1972 reist Maggie Evans unter dem Namen Victoria Winters nach Collinwood, um ihre Vergangenheit in einer Anstalt zu verbergen. Zeitgleich wird Barnabas‘ Sarg entdeckt – der Vampir erwacht, tötet elf Bauarbeiter und hypnotisiert den Hausmeister Willie zu seinem Diener. Das Anwesen ist verfallen, die Fischerei ruiniert, und die Moderne überfordert Barnabas. Er offenbart sich Elizabeth Collins Stoddard als Vampir und bietet seine Hilfe an. Sie akzeptiert – unter der Bedingung, dass niemand davon erfährt. Barnabas wird als Verwandter vorgestellt. Zur Familie gehören Carolyn, Roger und dessen Sohn David, der mit dem Geist seiner Mutter spricht.

Angeliques Rache und der letzte Kampf

Barnabas verliebt sich in Victoria, die Josette ähnelt. Er plant den Wiederaufbau der Fischfabrik, doch Angelique – seine alte Rivalin – leitet die Konkurrenz. Sie verführt ihn, wird aber zurückgewiesen. Dr. Hoffman entdeckt sein Geheimnis und will es für eigene Zwecke nutzen – Barnabas tötet sie. Roger wird als Schmarotzer entlarvt und verlässt die Familie.

Angelique rächt sich: Sie sperrt Barnabas erneut ein, zündet die Fabrik an und spielt sein Geständnis vor Publikum ab. Im finalen Kampf offenbart sich Carolyn als Werwolf – Angelique hatte sie in Kindheitstagen verwandelt. Sie gesteht ihre Taten: den Familienfluch, mehrere Morde und ihren Hass. Davids Mutter erscheint als Geist und besiegt Angelique.

Angelique beteuert abermals ihre Liebe zu Barnabas. Er wirft ihr vor, nicht lieben, sondern nur besitzen zu können. Sie reißt sich ihr Herz aus der Brust und streckt es ihm entgegen. Das Herz zerfällt zu Scherben, und Angelique stirbt. Collinwood brennt nieder. Victoria steht unter Angeliques letztem Zauber an der Klippe, bereit zu springen wie einst Josette. Barnabas greift nach ihr, doch Victoria lässt sich absichtlich fallen. Sie zwingt ihn, sie im Fallen zu beißen und in einen Vampir zu verwandeln. Die Verwandlung gelingt. Als Barnabas ihren Namen ruft, öffnet Victoria die Augen und antwortet mit „Josette“. In der letzten Szene liegt Dr. Hoffman gefesselt auf dem Meeresgrund. Sie hat überlebt, verwandelt in einen Vampir.

Filmkritik und Fazit zum Film „Dark Shadows“

Dark Shadows“ schwankt zwischen nostalgischer Werkschau und frischem Erzählwillen. Burtons vertraute Motive dominieren: düstere Herrenhäuser, bleiche Gesichter, märchenhafte Melancholie. Johnny Depp spielt seine Figur mit gestelzter Eleganz, die Wortgefechte mit Eva Green zünden gelegentlich komisch. Doch viele Figuren bleiben blass – Michelle Pfeiffer als Matriarchin und Helena Bonham Carter als Psychiaterin bleiben unterentwickelt. Die 70er-Jahre-Kulisse dient mehr als Spielwiese für Anachronismen denn als sozialer Kontext.

Burton verzichtet auf dramaturgische Stringenz zugunsten episodischer Szenen. Konflikte verpuffen, Nebenfiguren verschwinden. Bruno Delbonnels Kamera liefert opulente Gothic-Bilder, Danny Elfmans Musik zitiert Seventies-Klänge. Im Finale setzt Burton ganz auf Spektakel: Die Werwolf-Enthüllung wirkt willkürlich, der Kampf gegen Angelique laut und ziellos. Was als ironisches Spiel mit Genrekonventionen beginnt, endet im formelhaften Blockbuster-Lärm.

„Dark Shadows“ unterhält als verspielte Hommage an Gothic-Soap-Ästhetik, versäumt es jedoch, emotionale Tiefe zu entwickeln. Burton zelebriert sein visuelles Universum, ohne den Figuren Raum für echte Entwicklung zu geben. Die Leidenschaft, die Angelique antreibt, bleibt abstrakt, Barnabas‘ Trauer um Josette eine formale Behauptung. Für Burton-Enthusiasten bietet der Film vertraute Freuden und einige gelungene Momente. Wer allerdings mehr als atmosphärischen Schauwert erwartet, wird enttäuscht. Ein solider, aber kein essentieller Burton.

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