Alice im Wunderland

Das Wunderland kehrt zurück – allerdings nicht als Märchen, sondern als digitale Materialschlacht. Wenn Hollywood seine Klassiker neu verpackt, geschieht dies selten aus künstlerischem Drang. Es sind ökonomische Kalküle, die nostalgische Stoffe in teure Spektakel verwandeln. Lewis Carrolls literarische Vorlage, seit Generationen Projektionsfläche für Nonsens und Philosophie zugleich, wurde bereits 1951 von Disney als Zeichentrick interpretiert. Dass Tim Burton sich 2010 erneut dem Stoff widmet, ist weniger Hommage als Zeitdokument.

Alice im Wunderland
Dauer: 108 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2010
Kategorien: Abenteuer, Fantasy
Regie: Tim Burton
Produzenten: Katterli Frauenfelder, Joe Roth, Jennifer Todd, Suzanne Todd, Richard D. Zanuck
Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Anne Hathaway
Nebendarsteller: Helena Bonham Carter, Crispin Glover, Matt Lucas, Alan Rickman
Studio: Walt Disney Pictures, Roth Films, Team Todd, Tim Burton Productions, The Zanuck Company

Burtons Name steht für eine spezifische visuelle Handschrift – düster, verschroben, oft gothisch aufgeladen. „Alice im Wunderland“ erschien in einer Phase, in der 3D-Kino als technologische Revolution galt. „Avatar“ hatte kurz zuvor gezeigt, was möglich war. Burtons Film reagiert darauf mit einer Ästhetik, die zwischen handwerklichem Ehrgeiz und computergenerierter Überfrachtung schwankt. Was als eigenständige Weiterführung der Carroll’schen Welt gedacht war, geriet zu einem Hybrid aus Sequel-Logik und Franchise-Kalkül. Die Frage ist nicht, ob dieser Film funktioniert, sondern wofür er steht.

Besetzung, Regie und Drehorte

„Alice im Wunderland“ ist ein US-amerikanischer 3D-Fantasy-Film, der 2010 unter der Regie von Tim Burton entstand. Der Film basiert auf Motiven der Romane „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ von Lewis Carroll, die Disney bereits 1951 als Zeichentrickfilm adaptiert hatte. Die Uraufführung und Weltpremiere fand am 25. Februar 2010 als „Royal Premiere“ im Londoner Odeon Leicester Square statt und wurde als Live-Event in ausgewählten deutschen Kinos übertragen. Der Film erreichte eine Laufzeit von 109 Minuten und erhielt eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren.

Das Drehbuch schrieb Linda Woolverton, während Richard D. Zanuck, Joe Roth, Suzanne Todd und Jennifer Todd als Produzenten fungierten. Die Kameraführung übernahm Dariusz Wolski, den Schnitt verantwortete Chris Lebenzon. Danny Elfman komponierte die Filmmusik. In den Hauptrollen waren Mia Wasikowska als Alice Kingsleigh, Johnny Depp als Verrückter Hutmacher sowie Helena Bonham Carter als Rote Königin Iracebeth zu sehen. Anne Hathaway verkörperte die Weiße Königin Mirana, während Matt Lucas die Zwillinge Diedeldum und Diedeldei spielte. Weitere tragende Rollen übernahmen Crispin Glover als Herz-Bube Ilosovic Stayne sowie zahlreiche Sprechrollen, darunter Stephen Fry als Grinsekatze, Alan Rickman als Raupe Absolem und Christopher Lee als Jabberwocky.

Der Film wurde überwiegend vor Greenscreen gedreht und mit umfangreicher CGI-Technologie realisiert. Die Produktion kostete rund 200 Millionen US-Dollar und spielte weltweit über eine Milliarde Dollar ein. Er steht laut der Liste der weltweit erfolgreichsten Filme auf Platz 57. In Deutschland verfehlte der Film knapp die Drei-Millionen-Besuchermarke und etablierte sich als fünfterfolgreichster Film des Jahres 2010. Die technische Umsetzung nutzte den damaligen 3D-Boom kommerziell aus, während die künstlerische Gestaltung Burtons typische Bildsprache mit moderner Tricktechnik kombinierte.

Handlung & Inhalt vom Film „Alice im Wunderland“

Die inzwischen 19-jährige Alice Kingsleigh hat ihre Erlebnisse im Wunderland längst vergessen, doch Träume erinnern sie an jene Abenteuer vor 13 Jahren. Gemeinsam mit ihrer Mutter besucht sie eine viktorianische Gartenparty von Lord und Lady Ascot. Was Alice nicht ahnt: Die Feier dient als Bühne für einen Heiratsantrag. Vor versammelter Gesellschaft bittet Hamish, der langweilige Sohn der Ascots, um ihre Hand. Alice bittet um Bedenkzeit und entdeckt währenddessen am Rand der Festlichkeit ein weißes Kaninchen mit Weste und Taschenuhr. Sie folgt dem Tier zum Eingang eines Kaninchenbaus und stürzt hinein. Alice landet in einem runden Raum mit verschiedenen verschlossenen Türen. Eine winzige Pforte lässt sich mit einem Schlüssel öffnen, doch der liegt außer Reichweite.

Alice trinkt einen Schrumpftrank, gelangt jedoch nicht an den Schlüssel, den sie auf dem Tisch zurückgelassen hat. Ein Törtchen lässt sie wachsen, sodass sie den Schlüssel nehmen kann. Anschließend trinkt sie erneut den Schrumpftrank. Das weiße Kaninchen, die Haselmaus sowie Diedeldum und Diedeldei beobachten die Szenerie und zweifeln an ihrer Identität als „echte Alice“. Diese müsse doch längst wissen, wie man durch die Tür kommt. Schließlich gelangt Alice durch die Pforte ins fantastische Unterland, das sie als Kind falsch verstanden und „Wunderland“ genannt hatte. Die Gruppe begibt sich zur weisen Raupe Absolem, die jedoch nur bestätigen kann, dass Alice nicht in allen Teilen die Richtige sei.

Verrat und Täuschung im Reich der Roten Königin

Die Grinsekatze rät Alice, den verrückten Hutmacher aufzusuchen, der sie bereits erwartet. Dort trifft sie auch auf den Märzhasen. Kurz darauf erscheinen Truppen der Roten Königin unter Ilosovic Stayne. Der Bluthund Bayard, dessen Familie gefangen gehalten wird, folgte Alices Spur. Der Hutmacher schrumpft Alice und versteckt sie in einer Teekanne, während Bayard das Versteck nicht verrät. Auf dem Weg zur Weißen Königin wird der Hutmacher gefangen genommen. Entgegen der Prophezeiung begibt sich Alice mit Bayards Hilfe zum Schloss der Roten Königin.

Am Hof trifft Alice auf die gefangenen Diedeldum und Diedeldei sowie die Haselmaus, von der sie das Auge des Bandersnatch zurückerhält. Dieser bewacht das Schwert der Weißen Königin, das Alice benötigt. Während der Hutmacher Hüte für die Königin herstellt, gelingt es Alice, das Schwert zu stehlen. Sie gibt dem Bandersnatch sein Auge zurück. Der Herz-Bube fühlt sich von Alice abgewiesen und will sie verhaften lassen. Die Haselmaus verrät versehentlich Alices Identität. Auf dem Bandersnatch flieht Alice zur Weißen Königin, die sie auf normale Größe schrumpft. Alice weigert sich zunächst, den Jabberwocky zu töten. Im Schloss der Roten Königin scheitert die Hinrichtung des Hutmachers durch die Grinsekatze. Im Chaos entkommen alle zur Weißen Königin.

Der Blumatag beginnt. Nach einem Gespräch mit Absolem, der nun an ihre Echtheit glaubt, tritt Alice als Kämpferin an. Die Armeen treffen auf einem schachbrettartigen Feld aufeinander. Alice und der Jabberwocky beginnen ihren Zweikampf. Als der Hutmacher eingreift, entbrennt die Schlacht. Alice enthauptet den Jabberwocky. Die Grinsekatze setzt der Weißen Königin die Krone auf, die Rote Königin wird ins Exil verbannt. Mit dem Blut des Jabberwocky kehrt Alice zur Gartenparty zurück. Sie lehnt Hamishs Heiratsantrag ab und schlägt Ascot vor, sein Handelsimperium durch Verträge mit China zu erweitern. Er nimmt sie als Beraterin auf.

Filmkritik und Fazit zum Film „Alice im Wunderland“

Tim Burtons Regiearbeit offenbart eine Diskrepanz zwischen visueller Ambition und narrativer Substanz. Die Inszenierung setzt auf digitale Überwältigung, doch wo frühere Werke durch Detailversessenheit überzeugten, dominiert hier die Greenscreen-Ästhetik. Mia Wasikowska liefert als Alice eine solide Leistung ab, jedoch ohne emotionale Tiefe. Johnny Depps Hutmacher wiederholt bekannte Exzentrik-Muster. Helena Bonham Carter verschwindet hinter der digitalen Vergrößerung ihres Kopfes, Anne Hathaways Königin bleibt blass. Die Sprechrollen von Alan Rickman, Stephen Fry und Christopher Lee verleihen den Kreaturen stimmliche Autorität, überbrücken aber nicht die emotionale Distanz. Dariusz Wolskis Kamera verliert sich in überbordenden Details ohne klare Hierarchien.

Das Tempo schwankt zwischen gehetzter Action und zäher Exposition. Linda Woolvertons Drehbuch übersetzt Carrolls Absurdität in konventionelle Fantasy-Dramaturgie. Die Prophezeiung reduziert Alice auf eine Schachfigur ohne Handlungsautonomie. Der Film folgt Genrekonventionen mit vorhersehbaren Wendungen. Besonders problematisch ist das Ende, das Alice in die Gesellschaftsordnung zurückführt und ihre Rebellion durch Integration in imperiale Handelsstrukturen neutralisiert. Wo Carrolls Werk Gesellschaftskritik formulierte, endet Burtons Film mit affirmativer Geste. Danny Elfmans Musik bedient sich bekannter Muster, die 3D-Technik bleibt Verkaufsargument ohne gestalterischen Mehrwert.

„Alice im Wunderland“ dokumentiert einen Wendepunkt in Burtons Schaffen. Der Film verzichtet auf handwerkliche Sorgfalt zugunsten industrieller Produktionslogik. Was als subversive Neuinterpretation hätte funktionieren können, gerät zur angepassten Fantasie ohne rebellisches Potenzial. Burtons Film ist weniger Adaptation als Symptom jener Phase, in der Hollywoods Blockbuster-Maschinerie literarische Vorlagen in verwertbare Marken verwandelte. Der kommerzielle Erfolg bestätigt die Rechnung, künstlerisch bleibt der Film hinter den Erwartungen zurück.

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